Diagnostik und Therapieangebote für Patientinnen (2007)
1.2.3 Empfehlungen zur Brustkrebsprävention
1.3.5 Selbstuntersuchung der Brust
1.4 DCIS / LCIS (DIN / LIN) – Ductales / Lobulares Carcinoma in Situ (nicht-
1.4.1 DCIS - Prognostische und prädiktive Parameter
1.4.4 Therapie des Lokalrezidivs nach DCIS
1.4.5 Lobuläre intraepitheliale Neoplasien (LIN)
1.5 Histologische Abklärung von unklaren Brustbefunden
1.7 Primäre präoperative (neoadjuvante) Chemotherapie/Hormontherapie
1.8.1 Brusterhaltende Operation
1.8.2 Mastektomie (Brustamputation)
1.8.3 Hautsparende / Mamillensparende Mastektomie
1.8.3 Lymphknotenentfernung aus der Achselhöhle
1.8.4 Sentinel (Wächter-Lymphknoten)
1.8.5 Rekonstruktion (= Wiederaufbau der Brust)
1.9.1 Chemo- und Hormontherapie
1.10 Sozialdienste / Anschlussheilbehandlung / Nach- und Festigungskur / Schwerbehindertenausweis
1.11.2
Verhaltensregeln bei Lymphödemen (Lymphstau) des
Armes
1.12.1 Brustkrebs des Mannes
1.12.2 Gynökomastie
(Brustbildung beim Mann)
2. Plastische und Kosmetische Operationen
2.1 Makromastie (Mammahyperplasie) – Brustverkleinerung (Reduktionsplastik)
2.3 Hypoplasie / Ptose (Hängebrust) – Lifting (Straffung)
2.4 Brustvergrößerung, Brustaufbau (Augmentation)
2.5 Bauchdeckenplastiken, Reithosen, Fettabsaugung (Liposuction)
2.6 Kürzung der Kleinen Labien (Schamlippen)
3. Gynäkologische Erkrankungen
3.2 Postmenopauseblutungen (Blutungen nach den Wechseljahren)
3.3 Bauchhöhlenschwangerschaft
3.4 Gutartige Erkrankungen der Gebärmutter (Myomknoten, Uterus myomatosus)
3.4.3 Myomembolisation (Verschluß) der Arteria uterina
3.4.3 Ultraschall-gestützte Myomzerstörung
4.2 Chemotherapie/Hormotherapie
5. Harninkontinenz (unwillkürlicher Urinabgang)
7. Fertilitätserhalt (Erhaltung der Fortpflanzung) bei Chemo- \ Strahlentherapien
9. Endokrinologische („Hormon-“) Sprechstunde
10. Geburtshilfe / Schwangerenbetreuung
10.1 Perinatologisches (Erkrankungen in der Schwangerschaft) Zentrum
10.1.1 Betreuung durch niedergelassenen Frauenarzt
10.1.2 Intensivschwangerenbetreuung (ISB)
1. EUSOMA-Brustzentrum?
In einem EUSOMA-akkreditierten Brustzentrum arbeiten verschiedene
Fachrichtungen unter einem Dach zusammen. Dazu mussten sich alle an der Diagnostik
und Therapie beteiligten Kliniken einer strengen Überprüfung durch die EUropean
SOciety of MAstology (EUSOMA; unabhängige medizinische
Gesellschaft zur Standardisierung der Brustkrebsbehandlung in Europa)
unterziehen. Damit gehört das Brustzentrum Rostock zu den wenigen Zentren in
Deutschland, die internationalen Qualitätskriterien entsprechen.
http://www.eusoma.org/Engx/BreastUnits/AccreditationProcess.aspx?cont=ap_accredited
Rostock ist derzeit das einzige EUSOMA-Brustzentrum in den neuen Bundesländern. So sind am Brustzentrum an der Uni-Frauenklinik Rostock alle Voraussetzungen für die Erkennung, Behandlung und Nachsorge von Brustkrebspatientinnen „unter einem Dach“ gegeben:
· Tägliche Brustsprechstunden
· Beratung von Risikopatientinnen
· Mammographie und Sonographie mit Befundlokalisation,
· Histologische Abklärung mit Stanzbiopsie (Ultraschall, Mammotom, Vakuumbiopsie) in lokaler Betäubung,
· Wächterlymphknoten-Markierung und -Entfernung (sentinel node biopsy),
· alle operativen Verfahren einschließlich Brustwiederaufbau (TRAM, Lado-flap, Prothesen, Reduktionsplastiken),
· Histopathologische Abteilung zur feingeweblichen Untersuchung,
· Intraoperative Schnellschnittuntersuchungen,
· Interdisziplinäres Konsil zur Therapiefestlegung,
· onkologische Ambulanz (Nachbehandlung mit Hormonen und / oder Chemotherapie),
· Strahlentherapie,
· Psychosomatische Beratung zur Krankheitsbewältigung in allen Phasen der Behandlung
· Seelsorge durch Kirchenvertreter der beiden großen Konfessionen,
· Sozialberatung inklusive Hilfe beim Ausfüllen von Formularen oder Anträgen,
· Versorgung mit Prothesen und BH´s durch Breast Nurse (Brust-Schwester); auch zu Hause,
· Kontaktherstellung zu Selbsthilfegruppen,
· Hochmoderne Forschungslabore für translationale Forschung und Gewebebanken,
· Angebot zur Teilnahme an aktuellen klinischen Studien auf internationalem Standard mit innovativen Substanzen
· Am Klinikum angeschlossenes Hospiz
2006 wurden bei steigender Fallzahl über 350 neue Erkrankungsfälle im Brustzentrum der Uni-Frauenklinik Rostock behandelt. Für jede Patientin wird durch ein interdisziplinär besetztes Konsil von Fachärzten ein individualisiertes Therapiekonzept erstellt und mit der Patientin besprochen.
Sollten Sie irgendetwas vermissen so kontaktieren Sie uns per E-Mail oder telefonisch (Sekretariat 0381/4401-4500 oder Brustsprechstunden 0381/4401-4880)
Wollen Sie mehr über Brustkrebs / Brusterkrankungen wissen, dann klicken Sie hier
1.1 Häufigkeit von Brustkrebs
Mit jährlichen über 50 000 geschätzten Neuerkrankungen in Deutschland ist Brustkrebs die häufigste Krebserkrankung der Frau. Trotz aller Erfolge in der Behandlung von Brustkrebs sterben auch heute noch etwa ein Drittel aller Frauen an den Folgen der Krebserkrankung. Die größten Heilungschancen bestehen bei frühzeitiger Erkennung, d. h. noch bevor die Krebszellen in den Körper gestreut haben und die Behandlung in einem Brustzentrum. Deshalb ist die Früherkennung sehr wichtig.
1.2 Brustkrebsprävention (PDF-Datei1 / PDF-Datei2)
1.2.1 Ernährung
Mit zunehmender Aufklärung in der Bevölkerung und steigendem Gesundheitsbewusstsein werden heute Faktoren gesucht, die maßgeblich zur Entstehung von Brustkrebs beitragen oder selbst auslösen. Die Suche nach diesen vermeintlich krebserregenden Faktoren in der Ernährung und im Lifestyle findet durch die steigende Zahl von Brustkrebsneuerkrankungen in den Industrieländern und der Möglichkeit der Ausschaltung dieser krebsauslösenden Faktoren ihre Berechtigung. Neben diesen sogenannten „Umweltfaktoren“ gibt es Risikofaktoren (Alter, familiäre Belastung, frühe Menarche und späte Menopause) die selbst nicht beeinflussbar sind. Im Nachfolgenden soll das derzeitige Wissen zu beeinflussbaren Umweltfaktoren und Brustkrebs dargestellt werden.
Übergewicht wird weltweit und auch in Deutschland zu einem gesellschaftlichen Problem. So ist bereits jetzt die Hälfte aller Deutschen übergewichtig, wobei die Zahl weiter zunehmen wird. Frauen in der Postmenopause, d.h. nach dem Wegbleiben der Regelblutungen, haben normalerweise keine weiblichen Sexualhormone mehr. In Abhängigkeit vom überschüssigen Fettgewebe werden bei diesen Frauen aber Hormone gebildet, die zu einer ständigen Stimulation der Brustdrüsenzellen führen. Diese Hormonbildung korreliert mit der absoluten Masse körpereigenen Fettgewebes. Die Hormone selbst wirken nicht krebserregend, aber durch die Stimulation können andere krebserregende Substanzen um so leichter zur Krebsentstehung führen. Vorsichtige Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 10 % aller Karzinome in der Europäischen Union und 20-30 % in den USA durch Vermeidung von Übergewicht verhindert werden könnten.
Übergewicht ist meistens Folge von falscher oder aber übermäßiger Ernährung. In einer retrospektiven Befragung von 2 599 Patientinnen mit Brustkrebs und 2 588 Kontrollen wurde mit gesteigerter Aufnahme von Kalorien, gesättigten Fettsäuren, Zucker und Alkohol ein signifikant erhöhtes Brustkrebsrisiko nachgewiesen. Dagegen wurde für ungesättigte, insbesondere polyungesättigte Fettsäuren (hoher Anteil in kaltgepresstem Oliven- und Keimöl) eine Abnahme des Mammakarzinomrisikos bis zu 30 % gefunden. Es ist aber zu vermuten, dass Frauen, die mehr Olivenöl zu sich nehmen, auch häufiger Salate essen und sich wohl auch sonst gesünder ernähren und verhalten bzw. ein normales Körpergewicht aufweisen. Polyungesättigte Fettsäuren kommen auch im Fischöl erhöht vor und könnten mit erklären, warum die niedrige Brustkrebsinzidenz in Japan von 1960 bis 1980 um 35,5% gestiegen ist, während gleichzeitig der traditionell hohe Fischölverbrauch dem westlichen Ernährungsmuster gewichen ist. In zwei großen USA-Studien mit rund 130 000 Frauen und 4 000 Mammakarzinomen konnte allerdings kein signifikanter Zusammenhang zwischen Brustkrebs und früherer Gesamtfettzufuhr, dem Verhältnis gesättigter zu ungesättigten Fettsäuren und der Herkunft der Fette nachgewiesen werden, so dass eine vermutete Riskosteigerung von Brustkrebs infolge erhöhter Fettzufuhr heute nur fraglich erscheint. Auch wenn eine obst- und gemüsereiche Ernährung allgemein zu empfehlen ist, gibt es derzeit keine schlüssigen Beweise, dass diese zu einer merklichen Senkung der Brustkrebsinzidenz führt. Unabhängig vom Brustkrebsrisiko wird zur obst- und gemüsereichen Ernährung geraten, zumal sich hierdurch andere Zivilisationskrankheiten wie Adipositas, Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen, Skeletterkrankungen usw. positiv beeinflussen lassen.
Töchter aus „wohlhabenden“ Familien sollen ein erhöhtes Brustkrebsrisiko haben. Neben Unterschieden in der Nahrungszufuhr und dem höheren Körperfettanteil selbst müssen aber eine Vielzahl weiterer Faktoren angefügt werden. So sind diese Unterschiede am ehesten durch Unterschiede in der Bildung, Alter bei Erstgeburt, ethnische Gruppen und andere Risikofaktoren bedingt. Auch fanden sich für Frauen mit unterschiedlicher sozialer Herkunft Unterschiede in der Ernährung, Milchzufuhr, körperlichen Aktivität und Riskofaktoren, wie Rauchen und Fernsehen.
Bei den Phytoöstrogenen handelt es sich um Substanzen in pflanzlichen Nährstoffen, die eine hormonähnliche Wirkung entfalten können. Isoflavonoide Phytoöstrogene (Genistein, Daidzein, Equol, Desmethylangolensin) sind vorwiegend in Sojaprodukten, und Lignane (makromolekulare wasserunlösliche, nur in Pflanzen vorkommende Naturstoffe, wie z. B. Enterodiol, Enterolacton, Matairesinol) in Leinsamen, Vollkornprodukten und verschiedenen Obst- und Gemüsesorten enthalten. Phytoöstrogene werden je nach genetischer Ausstattung der Zelle oder in Anwesenheit von weiteren Faktoren in das Antiöstrogen 2-Hydroxyöstron oder das östrogenwirksame 16-Hydroxyöstron metabolisiert. Broccoli enthält beispielsweise eine Substanz (Indole-3-carbinol), die den Östrogenstoffwechsel so beeinflußt, dass die 2/16-Hydroxyöstron-Ratio steigt, die wiederum als Schutzfaktor gegen Brustkrebs gilt. Interessanterweise findet man bei Japanerinnen und Frauen, die vermehrt Broccoli oder anderes Gemüse zu sich nehmen, häufiger erhöhte 2-Hydroxyöstron-Konzentrationen, während bei Brustkrebspatientinnen 16- Hydroxyöstron höher war.
Nicht zuletzt wegen der geringen Mammakarzinominzidenz in Japan und anderen Staaten mit sojareicher Ernährung wurden Sojaprodukte als echtes Protektivum gegen Brustkrebs angesehen. Leider konnte bisher zwischen der Höhe der Sojaaufnahme und dem Brustkrebsrisiko kein signifikanter Zusammenhang nachgewiesen werden. Dennoch sollte in Kenntnis anderer positiver Wirkungen (Osteoporoseprävention, Lipidstoffwechsel, geistige Funktionen) zu einer Anreicherung von Soja- bzw. Getreideprodukten, Gemüse und Obst in der Nahrung geraten werden.
Vitamin A- und E-Abkömmlingen sowie Selen wurde auf Grund ihrer antioxidativen Wirkung eine bedeutende Rolle als freier Radikalenfänger zugedacht. So schützen sie Lipide vor der Peroxidation durch freie Radikale, wirken bei DNA-Reparaturmechanismen mit, stimulieren das Immunsystem und wirken antikanzerogen. B-Vitamine wirken mit bei der DNA-Synthese, -Reparatur und -Methylierung und sollen ebenfalls protektiv auf die Karzinogenese wirken. In der Women´s Health Study mit mehr als 40 000 Teilnehmerinnen war die zweitägige Gabe von 50 mg b-Carotin mit keiner signifikanten Verminderung der Inzidenz von Krebs-, Herzkreislauferkrankungen, noch der Gesamtsterblichkeit verbunden. Die einzige (Neben-) Wirkung war in einer gelblichen Hautverfärbung zu sehen! Auch nach Brustkrebs ließ sich durch Vitamin A-Abkömmlinge keine Verbesserung der Heilungsraten erkennen. Auch für andere Vitamine und Spurenelemente wurden lediglich in retrospektiven Untersuchungen präventive Effekte beschrieben, die aber in prospektiven Effekten nicht bestätigt werden konnten. Wenn diese Stoffe überhaupt einen Effekt haben sollten, dann dürfte dieser nur marginal sein. Derzeit gibt es keine - auch nicht nach Brustkrebs - Empfehlung zu einer Vitaminsubstitution in Tablettenform bei gesunder und abwechslungsreicher Ernährung. Vitamine können ungesundes Verhalten (körperliche Inaktivität, ungesunde Ernährung, Übergewicht, Rauchen etc.) nicht ausgleichen.
Nahrungszubereitung: Während in der westlichen Welt gebraten und gegrillt wird, wird in den asiatischen und afrikanischen Ländern überwiegend gedünstet und gekocht. Beim Braten steigt die Konzentration von polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen deutlich an. So enthalten 200 g Steak 10µg, 200 g Kochfleisch dagegen nur 0,006 µg Benzpyrene. Frauen, die gut durchgegarte („well done“) Fleischzubereitungen vorzogen, wiesen gegenüber denen von nur halbgaren („rare“) Produkten, signifikant erhöhte Brustkrebsraten auf. Neuere Daten zeigen, dass heterozyklische Amine aus „well done“-Steaks das Brustkrebsrisko nur dann erhöhten, wenn ein genetischer Polymorphismus in Form der „high activity“ N-Azetyltransferase-2 vorlag.
1.2.2 Lifestyle
Den Änderungen im Lebensstil der modernen Industriegesellschaften wird bei der Brustkrebsentstehung große Bedeutung beigemessen. In diesem Zusammenhang werden immer wieder Anstiege der Brustkrebsfälle bei Japanerinnen, die in die USA emigriert sind, angeführt. Dieser Effekt lässt sich übrigens auch bei den in Deutschland lebenden Türkinnen nachweisen.
Moderater aber regelmäßiger Alkoholkonsum gehört in vielen Industrieländern zum normalen Lebensstandard. Ethanol selbst ist kein Karzinogen, wird aber in potenziell karzinogene Metabolite wie z. B. Azetaldehyd metabolisiert. Ein möglicher Zusammenhang zum Brustkrebs würde deshalb interessant werden, weil man diese Noxe leicht meiden könnte. In einer Metaanalyse von 6 Studien mit 322 647 Frauen (darunter 4 335 Mammakarzinome) zeigte sich zwischen dem Brustkrebsrisiko und regelmäßiger Alkoholaufnahme ein linearer Zusammenhang. Danach würde auch keine „erlaubte Alkoholmenge“ von 20 – 30 g reinem Alkohol/Tag (entspricht etwa 200 ml Wein), wie von einigen Autoren angegeben, existieren. Im Gegensatz hierzu fand sich in neueren und großen Untersuchungen aus den USA nur ein geringer Anteil Alkohol-induzierter Mammakarzinome oder aber eine signifikante Risikosteigerung erst bei hohen Alkoholmengen (> 50 g/die). Auch ein vermuteter Zusammenhang zwischen erhöhtem Brustkrebsrisiko und Missbrauch von Alkohol im Jugendalter bestätigte sich in einer Fall-Kontrollstudie nicht. Möglicherweise hängt die karzinogene Wirkung des Alkohols auch von individuellen genetischen Unterschieden der entsprechenden Enzyme ab.
Zum Zusammenhang zwischen Brustkrebs und Rauchen finden sich konträre Studienergebnisse. Die karzinogene Wirkung des Rauchens wird auf die im Tabak enthaltenen aromatic hydrocarbons erklärt, wobei auch hier genetische polymorphismen der N-acetyltransferase-2 eine mögliche Rolle spielen könnten. In Schweden ließ sich zwischen 1960 und 1994 parallel mit der Zunahme von Lungenkrebs in der weiblichen Bevölkerung auch eine lineare Zunahme an Brustkrebs, besonders bei prämenopausalen Frauen, nachweisen. In anderen Studien fand sich sogar ein vermindertes Risiko bei Raucherinnen, das auf die antiöstrogene Wirkung des Rauchens zurückgeführt wird. Auch für passives Rauchen liegen konträre Studienergebnisse vor. Neueste Untersuchungen legen unterschiedliche Effekte des Rauchens in Abhängigkeit vom Alter bei Rauchbeginn (Rauchen im Jugendalter ungünstig) und anderen Risikofaktoren (Alter bei erster Schwangerschaft, Zunahme des Körpergewichtes) nahe.
Hormonpräparate (Pille bzw. Hormonersatztherapie) haben heute eine große Verbreitung gefunden. Für die Pillen-Einnahme ist unabhängig vom Alter bei Beginn und der Dauer der Anwendung keine nachweisbare Risikosteigerung für ein späteres Brustkrebsleiden gefunden worden. Große Studien haben übereinstimmend eine Risikosteigerung für das Mammakarzinom unter einer Hormonersatztherapie nach mehr als 5 Jahren Einnahmedauer nachgewiesen. Das Risiko steigt mit der Dauer der Hormoneinnahme und sinkt nach Absetzen. Andererseits ist das Gesamtüberleben für Patientinnen mit einem Mammakarzinom unter einer laufenden Hormonersatztherapie besser als für Karzinome, die nicht unter einer Hormontherapie entdeckt wurden.
Wegen der Hormonabhängigkeit von Mammakarzinomen wurde immer wieder nach einem Zusammenhang von hormonellen Änderungen im Leben der Frau und der Mammakarzinomentstehung gefahndet. Stillen war auch nur dann mit einer signifikanten Risikoverminderung verbunden, wenn es vor dem 20. Lebensjahr und über mehrere Monate erfolgte. Der präventive Effekt von Schwangerschaft und Stillen wird in der Ausdifferenzierung der Brustdrüse und dem Wegfall des Östrogenstimulus gesehen.
Der präventive Effekt des Sportes wurde mit einer Stimulation des unspezifischen Immunsystems und dem Abfall der Östrogene in der Erholungsphase begründet. Während mehrere Studien tatsächlich eine „schützende“ Wirkung des Sportes nachweisen konnten, stellen andere Untersuchungen diesen Effekt zumindest bei normaler Aktivität in Frage. Ein nachweisbarer Effekt auf das Brustkrebsrisiko wurde erst bei mindestens 7 Wochenstunden Sport beschrieben. Körperliche Aktivität in der Postmenopause verändert das Brustkrebsrisiko nicht. Die sportliche Aktivität darf jedoch nicht isoliert betrachtet werden. So wiesen schlanke, sportlich aktive Frauen ein geringeres Brustkrebsrisiko (RR = 0,57) gegenüber dicken, sportlich aktiven (RR = 0,92) und sportlich inaktiven Frauen (RR = 1,0) auf, was auf weitere Risikofaktoren schließen lässt.
Zusammmenhänge von Stress in Form beruflicher Belastung oder einschneidenden Erlebnissen (Krankheit, Scheidung, Arbeitsplatzverlust) und dem Brustkrebsrisiko werden heute als fraglich angesehen.
Berufliche Exposition gegenüber weiteren möglichen Brustkrebs-begünstigenden Noxen, wie radioaktive Strahlung bei Stewardessen, elektromagnetische Felder, Nachtarbeit, Chemikalien wurden wiederholt hinsichtlich eines möglichen Brustkrebsrisiko analysiert, ohne dass derzeit ein gesicherter Zusammenhang nachgewiesen werden konnte.
1.2.3 Empfehlungen zur Brustkrebsprävention
Derzeit bleibt festzustellen, dass Brustkrebserkrankungen durch Ernährungsfaktoren und Lifestyle beeinflusst werden können. Dabei ist von einem multifaktoriellen Geschehen auszugehen, in dem der isolierte Einzelfaktor nur eine geringe Bedeutung hat. Es scheint auch fraglich, einen einzelnen Nahrungsbestandteil mit der Entstehung oder Prävention von Brustkrebs in Verbindung bringen zu wollen. Epidemiologische Studien beinhalten selbst bei noch so guter Anlage eine Vielzahl von Bias, die Einfluss auf das Studienergebnis haben. So werden Frauen mit einem „normalen“ Körpergewicht sich insgesamt gesünder ernähren, eher körperlich aktiv sein, Genussmittel meiden und auch sonst mehr auf ihre Gesundheit und Umgebung achten als Übergewichtige. Insgesamt muss deshalb vom Kindesalter an zu einer gesunden Lebensweise geraten werden, die neben gesunder und abwechslungsreicher Ernährung, körperliche Aktivität, den Verzicht auf Genussmittel und eine „saubere“ Umwelt beinhaltet. Hormone sollten nur bei Erfordernis, so gering wie möglich dosiert und so lange wie nötig genommen werden.
1.3 Mamma-Diagnostik
Mit der Mamma-Diagnostik steht Ihnen am EUSOMA-Brustzentrum Rostock eine moderne digitale Diagnostik-Einheit für die Abklärung von Brusterkrankungen zur Verfügung. Mammographien und Brustsonographien erfolgen mit modernsten Geräten. Die Untersuchung selbst wird von qualifizierten und erfahrenen Ärzten durchgeführt. An möglichen Diagnostikverfahren sind verfügbar:
· Mammographie,
· Mammasonographie,
· Galaktographie,
· MR-Mammographie
· Mammotom,
· Selbst-Untersuchungen der Brust.
1.3.1 Mammographie
Die Mammographie ist die Standardmethode in der Früherkennung von Brustkrebs, weil nur durch die Mammographie feinste Mikroverkalkungen als erstes Hinweiszeichen auf ein Brustkrebsleiden erkannt werden können. Die Mammographie hat besonders bei Frauen ab dem 50. Lebensjahr einen sehr hohen Stellenwert, bei jüngeren Frauen ist die Aussage der Mammographie wegen des häufig noch vorhandenen dichten Drüsenkörpers erschwert, bei diesen Frauen ist die Mammasonographie als zusätzliche Untersuchungsmaßnahme von hoher Aussagekraft. Entsprechend den Empfehlungen der American Society of Radiology wird ab dem 40. Lebensjahr zu einer jährlichen Mammographie als Früherkennungsmethode geraten. Der Ausschuß für Mammadiagnostik der Deutschen Röntgengesellschaft empfiehlt ab dem 50. Lebensjahr eine regelmäßige Mammographie im Abstand von 1,5 bis 2 Jahren, wobei diese entsprechend dem Befund auch in kürzeren Abständen wiederholt werden kann. Bei Patientinnen mit einer belasteten Familienanamnese sollten eine jährliche Mammographie und Mammasonographie etwa 5 Jahre vor dem Erkrankungsalter des jüngsten erkrankten Familienmitgliedes erfolgen.
1.) Als familiär belastete Familien gelten Frauen mit mindestens zwei Frauen mit Mamma- und/oder Ovarial-Karzinom in der Anamnese, wovon mindestens eine dieser Verwandten vor dem 50. Lebensjahr erkrankt sein muß.
2.) Ein Familienmitglied mit einseitigem Mamma-Karzinom vor dem 30. Lebensjahr erkrankt ist, ein Familienmitglied mit beidseitigem Brustkrebs oder Eierstockkrebs vor dem 40. Lebensjahr erkrankt ist.
3.) Ein Familienmitglied mit nachgewiesener genetischer Belastung
(BRCA-1/BRCA-2 positiv).
Bei Frauen mit belasteter Anamnese wird heute auch eine MR-Mammographie durchgeführt.
Die Mammographie wird von vielen Frauen als sehr unangenehm bis schmerzhaft empfunden. Zur Darstellung der Brustwand-nahen Drüsenkörperanteile ist jedoch eine ausreichende Kompression unvermeidbar.
Die Mammographiebefunde werden üblicherweise entsprechend den
Empfehlungen der Amerikanischen Gesellschaft für Radiologie nach dem Breast
Imaging Reporting And Data System (BI-RADS)
beurteilt.
|
BI-RADS |
Bedeutung |
Carcinomwahr-scheinlichkeit |
weitere Maßnahmen
|
|
0 |
Diagnostik inkomplett |
- |
Komplettierung/ Wiederholung der Diagnostik |
|
1 |
Kein pathologischer Befund |
0 % |
Kontrolle nur als Vorsorge-mammographie |
|
2 |
Sicher benigner Befund Keine Anzeichen einer malignen Veränderung |
0 % |
Keine Kontrolle |
|
3 |
Benigner Befund wahrscheinlich, Befund unklar, Befund am ehesten benigne, der Radiologe sollte sich jedoch von der Unveränderlichkeit der Läsion überzeugen. |
1-3 % |
Kontrolle im empfohlenen Abstand |
|
4 |
Suspekter Befund Malignom nicht sicher auszuschließen |
20- 30 % |
Biopsie empfohlen |
|
5 |
Malignomtypischer Befund |
bis 90% |
Histologische Abklärung mit adäquater Therapie |
1.3.2 Mammasonographie
Die Mammasonographie mit 7,5 MHz-Schallköpfen hat insbesondere bei jungen Frauen und Frauen mit einem sehr dichten mastopathischen Drüsenkörper bzw. zur Abklärung von zystischen Raumforderungen einen hohen Stellenwert. Die Mammasonographie ist nicht in der Lage Mikroverkalkungen zu entdecken, so dass sie als alleinige Screening-Methode ungeeignet erscheint. Einen hohen Stellenwert hat die Mammasonographie wegen ihrer leichten Handhabung in der histologischen Abklärung von zweifelhaften Befunden mittels sonographisch gestützter Stanzbiopsie.
1.3.3 Galaktographie
Bei einer einseitigen Absonderung aus der Brustwarze findet sich als häufigste Ursache eine Raumforderung in den Milchgängen, die benigne, aber auch maligne sein kann. Bei einer beidseitigen Milchgangssekretion muß zuerst an eine hormonelle Ursache gedacht werden. Mittels Galaktographie lassen sich Raumforderungen in den Milchgängen abklären. Dazu wird mit einer feinen Sonde – u. U. nach örtlicher Betäubung – ein Kontrastmittel in den Milchgang eingebracht. Durch anschließende Röntgenaufnahme kann man den Stopp bzw. die Aussparung des Kontrastmittels, den beispielsweise ein Polyp verursacht, erkennen. Dieser kann dann durch eine gezielte Operation (sogenannte Urban´ sche OP) entfernt werden.
1.3.4 MR-Mammographie
Die MR-Mammographie (Magnet-Resonanz-Mammographie, auf Magnetfeldern basierend) ist ein derzeit nicht als kassenärztliche Leistung anerkanntes Diagnostikverfahren bei Brusterkrankungen. Nur in Einzelfällen trägt dieses Untersuchungsverfahren zur Abklärung unklarer Befunde bei. Der MR-Mammographie ist heute jedoch eine histologische Abklärung mittels Stanzbiopsie vorzuziehen.
1.3.5 Selbstuntersuchung der Brust
Die Untersuchung der Brust
durch die Patientin selbst, ist nicht in der Lage Krebsfrüherkennungsuntersuchungen
(Mammographie, Mammasonographie, Frauenarzt) zu ersetzen. Dennoch sollte sie
durchgeführt werden, da tast- oder sichtbare Veränderungen so früh wie
möglich weitere diagnostischen Maßnahmen nach sich ziehen können. Sie sollte
alle 4 Wochen ggf. unmittelbar nach der Regel erfolgen. Dazu sollten zunächst
beide Brüste vor dem Spiegel mit gesenkten und gehobenen Armen betrachtet
werden und anschließend abgetastet werden.
Dabei ist zu achten auf:
- Rötungen / Hautveränderungen,
- Hauteinziehungen,
- Verziehungen / Einziehungen der Brustwarze,
- Knotenbildungen,
- Absonderungen von Flüssigkeiten / Blut aus der Brustwarze,
- Schwellungen der Lymphknoten in der Achselhöhle
1.4 DCIS / LCIS (DIN / LIN) – Ductales / Lobulares Carcinoma in Situ (nicht-invasives Mammakarzinom)
Mit der weiten Verbreitung bildgebender Mammadiagnostik werden zunehmend nicht-invasive Mammakarzinome (DuctalesCarcinoma in Situ, DCIS) entdeckt und behandelt. In den USA wird der Anteil DCIS-Fälle auf 12 - 15 % bzw. absolut 25.000 – 30.000 Fälle aller Mammakarzinome geschätzt. QUOTE "{Wickerham & Tan-Chiu 2001 ID: 1080}" Für Deutschland würden dies bei geschätzten 45.000 jährlich neu auftretenden Mammakarzinomen eine absolute Zahl von jährlich 6 750 Fällen bedeuten. Wegen der Heterogenität und des Wachstums in Milchgängen besteht bei DCIS-Fällen mehr Unsicherheit in der Therapie, als es bei invasiven Mammakarzinomen der Fall ist. Die neue WHO-Klassifikation ersetzt die ALH/LCIS - die sich bisher nur quantitativ aber nicht zytologisch unterschieden - durch den Begriff der „LobulärenIntraepithelialen Neoplasie“ mit drei Schweregraden (LIN1-3). Damit ist auch eine Änderung der Therapieempfehlungen verbunden. Bei den intraduktalen Läsionen (UDH, ADH, DCIS) wird die Unterteilung in verschiedene Stufen der „Duktalen Intraepithelialen Neoplasie“ (DIN 1-3) vorgeschlagen, ist aber noch nicht allgemein gültig. Diese differenzierteren Schweregrade der Neoplasien haben Einfluss auf Prognose, operative Therapie, Radiatio und Systemtherapie des DCIS bzw. der ADH.
1.4.1 DCIS - Prognostische und prädiktive Parameter
Obwohl Patientinnen mit einem DCIS eigentlich eine gute Prognose haben, entwickeln allein durch Operation behandelte Patientinnen in den nachfolgenden 25 Jahren in 25 – 50 % nicht-invasive und invasive intramammäre Rezidive, zumeist in der Region des ursprünglichen DCIS. Mit verschiedenen Scores, die neben der Morphologie die Tumorgröße und Resektionsränder berücksichtigten, wurde versucht, standardisierte Therapieempfehlungen zu geben. Der bekannteste von sieben verschiedenen Scores ist wohl der sogenannte „Van-Nuys-Score“. Dieser auf retrospektiven Datenanalysen begründete Score berücksichtigt Grading, Tumorausdehnung und Ausmaß des Resektionsrandes. Dennoch konnte in mehreren Studien gezeigt werden, dass auch in den low risk-Gruppen hohe Rezidivraten vorkamen, was möglicherweise auf eine sehr heterogene Morphologie zurückzuführen ist. In einer
EORTC- und einer schwedischen Studie aus dem Jahre 2006 konnten als unabhängige Prognosefaktoren für ein erhöhtes Rezidivrisiko: Alter < 40 Jahre, Tumorgröße bzw. Entdeckung per Tastbefund, Resektionsrand nicht oder nur fraglich frei, Architektur (solide / comedo versus clinging), Grading, Nekrosen und alleinige Tumorektomie bestimmt werden. Zudem hatten sich in retrospektiven Studien der Nachweis von Nekrosen, Hormonrezeptorstatus, HER-2/neu und p53 als prognostisch bedeutsam erwiesen.
1.4.2 DCIS - Bestrahlung
Zur Vermeidung eines Rezidivs wurde die Resektion des DCIS mit 10 mm umgebendem gesundem Gewebe gefordert. Diese Forderung führt aber erfahrungsgemäß zu einer Vielzahl von Folgeoperationen mit einer hohen Mastektomierate (Brustentfernung). Bei Resektionen unter 1 mm im Gesunden oder gar positiven Resektionsrändern kann durch postoperative Bestrahlung die Rezidivrate signifikant (p = 0,01) gesenkt werden, während bei größeren Resektionsrändern (1-9 mm: p = 0,24 und > 10 mm (p = 0,92) der Effekt der Radiatio nicht mehr erkennbar war.
Der Resektionsrand sollte sicher im Gesunden
liegen, wobei wir in
Rostock diesen bei 2-3 mm für kleinere Läsionen und > 5 mm für größere
Läsionen fordern. Bei sicherer Resektion hautwärts bzw. bei Erreichen des
Musculus pectoralis major (großer Brustmuskel) sind diese Grenzen nicht
erforderlich.
In mehreren prospektiven Studien wurde der Einfluss der Radiatio auf die Lokalrezidivrate untersucht. Im Ergebnis der NSABP-B17-Studie wurde durch zusätzliche Bestrahlung – unabhängig vom Resektionsrand - gegenüber alleiniger Operation eine Abnahme der nicht-invasiven Lokalrezidive von 13.4 % auf 8.2 % (P = .007), und der invasiven Rezidive von 13.4 % auf 3.9 % (P < .0001) erzielt. In einer EORTC-Studie wurde gleichfalls die Rate invasiver und nicht-invasiver Rezidive nach Bestrahlung von 16 auf 9 % gesenkt, was einer Risikoreduktion von 40 % (invasiver) bzw. 35 % (nicht-invasiver) Rezidive entspricht. In einer weiteren (SwedDCIS, Australisch-Neuseeland-United Kingdom und Harvard Boston-) Studie wurde die Effektivität der Strahlentherapie bestätigt. Dennoch gibt es viele Kritikpunkte an den einzelnen Studien: Kritikpunkte an der NSABP-B17-Studie sind der hohe Anteil kleiner Tumoren (80 % < 1,0 cm), die Nichtunterscheidung von low- und high risk-Patientinnen, keine Präparate-Radiographie bzw. postoperative Röntgenkontrolle und die hohe Rate nicht im Gesunden resezierter DCIS-Fälle. Letztlich erklären diese Faktoren auch die hohe Lokalrezidivrate. Letztlich konnte in keiner Studie eine Reduktion der Mortalität (NSABP-B17: 1,0 versus 1,7 und EORTC: 2,4 versus 2,4) nachgewiesen werden. In einer Metaanalyse mit mehr als 4000 Patientinnen konnte eine Reduzierung des Rezidivrisikos von 22,5 (nur Operation) auf 8,9 (Operation + Radiatio) ermittelt werden, dennoch war dieses Risiko gegenüber mastektomierten Patientinnen (1,4 %) deutlich erhöht. Alle derzeitigen Studien erlauben den Schluss, dass alle Patientinnen mit einem operierten DCIS von einer Bestrahlung, unabhängig vom Resektionsrand, Komedonekrosen, Histo-Typ etc profitieren.
Andererseits sollten aber auch mögliche Nachteile der Strahlentherapie bedacht werden wie:
· Strahlenfibrose, Hautirritationen,
· möglicherweise vermehrt kontralaterale Mammakarzinome (EORTC-Studie),
· Nachsorge erschwert (Mammographie, Palpation),
· Keine Prädiktoren für Ansprechen,
· Keine Radiatio bei invasivem Rezidiv möglich,
· Rekonstruktion,
· Keine Senkung der Mortalität,
· Kosten.
Nach derzeitigen Empfehlungen scheint eine Radiatio nach DCIS und BET (brust-erhaltende Therapie) vermeidbar, wenn:
- DCIS-Läsion <
15 (20) mm und
- Resektion weit im
Gesunden (> 10 mm) und
- Alter > 40
- Non-high-grade,
keine Nekrosen
1.4.3 DCIS -Tamoxifen
Tamoxifen verminderte in der NSABP B-24-Studie bei Patientinnen mit einem operierten nicht-invasiven Karzinom (DCIS) und nachfolgender Radiato die intramammäre Rezidivrate und die Rate kontralateraler Mammakarzinome. Bemerkenswerterweise wurde in dieser Studie zwar die Rate ipsilateraler invasiver Rezidive von 4,2 % auf 2,1 % (p=0.03) halbiert, dagegen war die Rate nicht-invasiver Rezidive mit 5,1 % (Plazebo) und 3,9 % (Tamoxifen) statistisch nicht signifikant (p = 0.43) verschieden. Der Grund hierfür könnte in der hohen Rate Hormonrezeptor-negativer DCIS-Fälle liegen. 70 % aller mammographisch entdeckter DCIS-Fälle sollen vom Komedotyp QUOTE "{Silverstein, Lagios, et al. 1999 ID: 196}" sein, die vorzugsweise Hormonrezeptor-negativ sind und somit nicht wirkungsvoll auf Tamoxifen reagieren. Bei allen DCIS-Fällen sollte die Hormonrezeptorbestimmung erfolgen.Die Tamoxifen-Gabe wird nur bei positivem Hormonrezeptorstatus empfohlen. Der Hormonrezeptorstatus des Primärtumors stellt einen Prediktor für den Hormonrezeptorstatus des später auftretenden kontralaterale Mammakarzinoms dar.
In Östrogenrezeptor-negativen DCIS-Fällen lassen sich Proliferation und Apoptose auch nicht durch Östrogene oder Antiöstrogene beeinflussen. So zeigen die Daten der NSABP-P1-Studie, dass der Präventionseffekt an den Östrogenrezeptor gebunden ist, da für Rezeptor-negative Tumore (Risikoreduktion bei ER positiv: 0,32, ER negativ: 1,22) keine Risikoreduktion festgestellt wurde. Auch im MORE-Trial (0,1 bzw. 0,8) und Royal Marsden (0,73 bzw. 1,87) wurde eine Abhängigkeit des präventiven Tamoxifeneffektes vom Hormonrezeptor nachgewiesen. Bei einer generellen Tamoxifenbehandlung nach brusterhaltender Therapie wegen eines DCIS werden die meisten Patientinnen eine teure Übertherapie mit realistischen Nebenwirkungen (klimakterische Beschwerden) und potentiellen Risiken (Thromboembolien, Endometriumkarzinom, Polypen) erhalten. Andererseits stellen gerade die DCIS-Patientinnen ein Risikokollektiv dar, das von einer Chemoprävention mit Tamoxifen profitieren dürfte. Es gilt deshalb, nach Parametern zu suchen, die eine risikoadaptierte Therapie bzw. Prävention erlauben. Auf einer „Consensus Conference on the Classification of DCIS“ wurde keine generelle Tamoxifen-Gabe beim DCIS empfohlen. Die Entscheidung für oder gegen Tamoxifen beim DCIS kann bei positivem Hormonrezeptorstatus erfolgen. Dies setzt die Bestimmung der Hormonrezeptoren auch beim DCIS als Routineuntersuchung voraus. Die Gabe von Aromatasehemmern kann bei DCIS-Patientinnen und brusterhaltender Operation derzeit nur in Studien (IBIS-II-DCIS) empfohlen werden.
1.4.4 Therapie des Lokalrezidivs nach DCIS
Einzelberichte oder kleine Fallzahlen zu einem abermaligen brusterhaltenden Vorgehen bei Rezidiv nach DCIS erlauben keine definitiven Schlussfolgerungen. Allgemein gilt jedoch, dass 50 % aller Rezidive invasiv sind und es wird überwiegend zu einer Mastektomie (Brustentfernung) geraten. Die Prognose nach einem DCIS-Rezidiv wird übereinstimmend als besser gegenüber einem Rezidiv nach invasivem Mammakarzinom bewertet.
Zusammenfassend bleibt festzustellen, dass die individuelle Heterogenität des DCIS eine „attraktive“ Therapie, d.h. individualisiert, kostengünstig, nebenwirkungsarm etc. basierend auf operativen und histopathologischen Parametern erfordert. In den AGO-Leitlinien von 2007 sind unter Angabe des Evidenzniveau und des Empfehlungsgrades das derzeitige Wissen zum DCIS zusammengefasst:
1.4.5 Lobuläre intraepitheliale Neoplasien (LIN)
Alle atypischen Epithelproliferationen in den Acini bzw. distalen „Terminal Duct/Lobular Unit“ – ehemals als ALH, LCIS bezeichnet - werden unter dem Begriff lobuläre intraepitheliale Neoplasien (LIN) zusammengefasst. Unter Berücksichtigung der Ausdehnung und des Polymorphiegrades der Zellen werden LIN 1-3 unterschieden. Dies wurde damit begründet, dass ADH und LCIS für gleiche Läsionen mit unterschiedlicher Ausprägung benutzt wurden, ohne dass sie sich prognostisch unterschieden. Invasiv lobuläre Carcinoma in situ werden häufiger von einer höhergradigen LIN umgeben. Zwischen DIN und LIN Grading bestehen ebenfalls enge Parallelen.
Die wesentlichen Fakten zur LIN sind zusammengefasst:
- keine Nekrosen,
Mikroverkalkungen oder Tumorbildungen
- Zufallsbefund neben
radiologischen Läsionen
- Häufigkeit: 0,5 - 4
%, mit Hormontherapie in der Postmenopause steigt auch die Häufigkeit
- positive
Hormonrezeptoren fast in 100 %; Bestimmung deshalb nicht erforderlich
- Multifokalität
/-zentrizität in 47 – 93 %,
- Bilateralität in 30
– 67 %,
- besonders häufig in
Prämenopause, 44 – 46 Jahre
- Antihormontherapie:
NSABP P-1: Risikoreduktion unter Tamoxifen um 56%
- innerhalb von 20
Jahren entwickeln sich nach LIN 18 - 30 % invasive Mammakarzinome, die
dann meist (> 60 %) invasiv duktal sind und durch die Mammographie
entdeckt werden können (Mammographie!). Diese Mammakarzinome sind in 24 –
53 % kontralateral lokalisiert.
- keine generelle
R0-Resektion erforderlich, da LIN häufig Risikomarker (nicht obligater
Precursor oder Predictor). Nachresektion aber bei ausgedehntem
Acini-Befall, Pleomorphie, Signet Ring oder Nekrosen am Resektionsrand
empfohlen.
Patientinnen mit LIN profitieren von einer adjuvanten Tamoxifengabe mit einer Halbierung des Rezidivrisikos. Tamoxifen stellt somit eine Therapieoption bei diesen Patientinnen dar, besser ist jedoch die Behandlung in Studien.
1.5 Histologische Abklärung von unklaren Brustbefunden
Bei mammographisch/sonographisch nicht eindeutig als benigne oder maligne zu beurteilenden Befunden oder aber auch dem dringenden V. a. ein Brustkrebsleiden erfolgen heute eine Gewebsprobenentnahme durch dünne Nadeln in Lokalanästhesie (Stanzbiopsie, Mammotom). Dazu wird entweder ultraschallkontrolliert oder durch Mammographiekontrolle eine Nadel bis unmittelbar vor dem Befund vorgeschoben und durch Auslösung eines Mechanismus mit Hochgeschwindigkeit ein winziger Gewebszylinder aus dem abzuklärenden Befund „herausgeschossen“. Diese Gewebsprobe wird dann histologisch untersucht. Die Entnahme dieser Gewebsprobe ist völlig schmerzfrei, die Vorteile der histologischen Abklärung von unklaren oder aber brustkrebsverdächtigen Befunden sind folgende:
- Vermeidung unnötiger Operationen durch Bestätigung einer gutartigen Veränderung,
- Bei Nachweis von Bösartigkeit Verkürzung der Operationszeit,
- Vermeidung von Folgeoperationen durch Planung der endgültigen Operation,
- Schonendere Operation der Achselhöhle (Sentinel, Wächterlymphknoten),
- Möglichkeit der Verkleinerung des Tumors durch eine Vorbehandlung mit Chemotherapie oder Hormontherapie. Durchführung der Operation erst nach Verkleinerung des Tumorknotens, dann möglichst als brusterhaltende Operation.
1.6 Histologische Befunde
Der endgültige histopathologische Befundbericht sollte nach 3-5 Werktagen verfügbar sein und folgende Informationen erhalten:
- Tumorgröße,
- Tumortyp
- Resektionsränder in mm,
- Begleitende in-situ-Komponente,
- Differenzierungsgrad,
- Lymph-/Gefäßinvasion,
- Hormonrezeptorstatus
- HER-2-Status,
- Anzahl der entfernten und befallenen Lymphknoten
1.7 Primäre präoperative (neoadjuvante) Chemotherapie/Hormontherapie
War noch vor einigen Jahren bei lokal fortgeschrittenem Brustkrebsleiden (entzündliche Hautveränderung, Voroperation) eine Chemotherapie zur Schaffung einer Operationsebene erforderlich, so wird heute zunehmend auch bei kleinem Brustkrebsleiden vor der Operation eine Chemo- oder Hormontherapie durchgeführt. Die Chemotherapie wird vorzugsweise bei jüngeren Frauen, die Hormontherapie bei älteren Frauen oder Frauen mit Begleiterkrankungen angewandt. Es soll deutlich herausgestellt werden, dass die Chemotherapie, die vor der Operation gegeben wird, genauso wirksam ist, wie eine nach der Operation verabfolgte Chemotherapie. In mehreren Studien konnte die Rate brusterhaltender Operationen nach primärer Chemotherapie nachgewiesen werden. Der größte Nutzen einer präoperativen Therapie besteht jedoch im Nachweis der Empfindlichkeit der Krebszellen auf die angewandte Therapie. Neuerdings wird allerdings unter Studienbedingungen geprüft, ob Patientinnen, die nicht auf die gegebene primäre Therapie ansprechen, von einem Wechsel der Therapie profitieren. Erste Ergebnisse zeigten, dass durch den Wechsel des Chemotherapie-Regime auch ein Vorteil im Gesamtüberleben für diese Patientinnen erzielt werden konnte. Frauen, bei denen das Krebsleiden nach der erfolgten Chemotherapie nicht mehr nachweisbar war oder aber nur noch Reste des ursprünglich großen Krebsleidens vorhanden waren, haben gegenüber solchen, bei denen das Karzinomleiden nicht angesprochen hat, eine sehr gute bis gute Prognose. Derzeit laufen weltweit mehrere große Studien zum Stellenwert der primären Chemotherapie bzw. Hormontherapie bei Patientinnen mit Brustkrebs. In Kenntnis der bereits jetzt erwiesenen Vorteile (Erhöhung der Rate brusterhaltender Operationen) und der neuerdings nachgewiesenen Verlängerung des rezidivfreien bzw. Gesamtüberlebens mit dem Ansprechen (Aberdeen-Trial) sollte allen geeigneten Patientinnen mit Tumoren >2 cm eine primäre Chemotherapie/Hormontherapie angeboten werden. Bei älteren Patientinnen mit hormonempfindlichen Tumoren kann eine Tumorverkleinerung auch mit Antihormonen erfolgen.
1.8 Operation
Alleine durch die Operation lassen sich zwischen 60% und 70% aller Brustkrebsfälle heilen, bei denen zum Zeitpunkt der Operation noch keine Fernmetastasen vorliegen. Deshalb wird am EUSOMA-Brustzentrum in Rostock allergrößter Wert auf eine sorgfältige Operation gelegt. Alle Operationen werden durch oder in Anwesenheit eines erfahrenen Oberarztes vorgenommen. Bei nicht tastbaren Befunden wird vor der Operation eine dünne Nadel zur Lokalisation des nicht tastbaren Befundes in die Brust gelegt. Dieser Eingriff ist weitgehend schmerzfrei, garantiert aber die sichere Entfernung des verdächtigen Befundes. Der Befund wird mit ausreichend gesundem Gewebe entfernt und nach Markierung der Schnittränder zur histologischen Beurteilung der Resektionsränder in das histopathologische Labor gegeben. Im Bedarfsfall kann so noch während der Operation eine Nachresektion an der unzureichend weit im Gesunden entfernten Seite erfolgen.
1.8.1 Brusterhaltende Operation
Die Standardoperation bei Brustkrebs ist die brusterhaltende Operation. Dazu wird der Tumor mit einigen Millimetern gesundem Gewebe entfernt. In den meisten Fällen empfiehlt sich zum Verschluß der Wundhöhle eine sogenannte onkoplastische Operation. Bei kleinem Tumor füllt sich der in der Brust entstandene Defekt durch Einblutung auf und wird im Laufe der Zeit durch Narbengewebe ersetzt. Bei größeren Tumoren muss, um eine spätere Einziehung zu vermeiden, der Defekt durch körpereigenes Gewebe aufgefüllt werden. Dazu wird durch einen in der Brustchirurgie erfahrenen Operateur körpereigenes Gewebe aus der Haut des Oberbauches oder der Achselregion entnommen und in den Defektbereich eingeschwenkt, ohne dass an der Entnahmestelle ein sichtbarer Defekt zurückbleibt. Diese Defektdeckung sichert auch nach Strahlentherapie langfristige und exzellente kosmetische Ergebnisse. Gleichzeitig kann die Entfernung des Tumors sicher im Gesunden erfolgen. Zur besseren Wiederauffindung des ehemaligen Tumorsitzes in der Brust werden in der Regel drei winzige Metall-Clips in die Brust gelegt. Diese sind im Röntgen gut sichtbar.
Nach brusterhaltender Operation ist eine Bestrahlung der Brust obligat (notwendig).
1.8.2 Mastektomie (Brustamputation)
Am EUSOMA-Brustzentrum Rostock werden derzeit wie auch international rund 70% aller Brustkrebsfälle brusterhaltend operiert, d. h. aber auch, dass in etwa 30% die Brust infolge medizinischer Notwendigkeit oder entsprechend dem Wunsch der Patientin entfernt werden muss. Diesen Patientinnen bieten wir generell einen sofortigen oder späteren Brustwiederaufbau an. Eine Vielzahl von Gründen spricht für den sofortigen Wiederaufbau.
1.8.3 Hautsparende / Mamillensparende Mastektomie
Bei der Hautsparenden (SSM) bzw. Mamillen-Sparenden-Mastektomie (MSM) wird die Haut bzw. auch noch die Brustwarze erhalten. Diese Verfahren sind bei geeigneten Patientinnen (Brustgröße, Unterhautfettgewebe, Tumorlokaisation etc.) geeignet, eine Brustamputation zu vermeiden. Dabei wird der Drüsenkörper +/- Mamille durch körpereigenes Gewebe vom Rücken oder Bauch ersetzt. Beide Verfahren liefern exzellente kosmetische Ergebnisse und sind onkologisch sicher. Die entscheidenden Vorteile der hautsparenden Mastektomien (SSM und MSM) sind:
· Erhaltung der unteren Umschlagsfalte,
· Vermeidung von Farbunterschieden der Haut,
· kosmetisch bessere Ergebnisse als nach sekundärer Rekonstruktion,
· Vermeidung von Folgeoperationen. QUOTE ""
1.8.3 Lymphknotenentfernung aus der Achselhöhle
Die vollständige Entfernung der Lymphknoten stellt heute nur noch die Ausnahme dar. So werden nur noch bei klinisch tastbar vergrößerten Lymphknoten oder / und sehr großen Tumoren alle Lymphknoten aus der Achselhöhle entfernt. Die Operation erfolgt sehr schonend, so dass postoperative Armprobleme nahezu ausgeschlossen sind. Standard ist heute jedoch der „Sentinel-Node“.
1.8.4 Sentinel (Wächter-Lymphknoten)
Bei Patientinnen mit kleinen Brusttumoren < 2 cm oder aber bei größeren Tumoren < 5 cm und palpatorisch nicht vergrößerten Lymphknoten in der Achselhöhle wird durch Injektion eines Farbstoffes oder eines radioaktiven Medikaments der erste vom Tumor drainierte Lymphknoten durch Aufnahme des Farbstoffes bzw. des Radiopharmakons kenntlich gemacht. Dazu wird am Vortag oder Morgen des OP-Tages ein Medikament um den Tumor gespritzt. Durch spezielle Instrumente kann dieser Lymphknoten dann während der Operation entdeckt und dann entfernt werden. Ist dieser Lymphknoten im Schnellschnittverfahren nicht befallen, werden alle anderen Lymphknoten in der Achselhöhle belassen, so dass häufig geklagte Beschwerden nach vollständiger Entfernung der Lymphknoten, wie Schwellung des Armes, Schulterschmerzen, Bewegungseinschränkung, etc., nahezu vollständig ausgeschlossen werden können. Bei einem Befall des Lymphknotens werden jedoch auch die anderen Lymphknoten aus der Achselhöhle entfernt.
1.8.5 Rekonstruktion (= Wiederaufbau der Brust)
Voraussetzungen
Operative Eingriffe an der Brust sollten nur durch speziell in der Mammachirurgie ausgebildete Ärzte/Ärztinnen erfolgen. Dies trifft für Tumorerkrankungen (Brustkrebs) Fehlbildungen und wiederherstellende Operationen (Brustaufbau) zu. So hat sich gezeigt, dass allein der Operateur bzw. die Behandlungseinrichtung signifikanten Einfluß auf das Überleben der Patientin haben QUOTE "" . Am EUSOMA Brustzentrum Rostock sind alle Möglichkeiten der Operation mit sofortigem oder späterem Brustwiederaufbau vorhanden. Die Anwendung von plastischen Operationsverfahren im Zusammenhang mit onkologischen Operationen (onkoplastische Operationen) erfolgt vorzugsweise in einer Operation, so dass unnötige Folgeoperationen für die Patientinnen vermieden werden. Die Brustrekonstruktion kann ein- oder zweizeitig – d.h. sofort oder später – erfolgen.
Lokale Lappenplastiken
Die brusterhaltende Therapie stellt heute das operative Standardverfahren dar. Derzeit werden rund 70% aller Mammakarzinome brusterhaltend operiert. Im EUSOMA- Brustzentrum Rostock werden größere Defekte durch Mobilisierung des Drüsenkörpers unter der Haut oder ortsständige Lappenplastiken aus dem Oberbauch bzw. Rezessus axillaris rekonstruiert. Dies bedeutet für die Patientin, dass die Brust wesentlich häufiger auch bei großen Tumoren erhalten werden kann und andererseits der operative Aufwand sowie Narben gering gehalten werden.
Distante Lappenplastiken
Bei medizinisch notwendiger Abnahme der Brust, wie z.B. bei Multizentrizität, ungünstiges Tumor-Brust-Verhältnis, nicht erreichbare freie Tumorränder, Kontraindikationen zur Bestrahlung, oder aber dem Wunsch der Patientin, empfehlen wir eine sofortige oder zumindest sekundäre Brustrekonstruktion mit vorzugsweise körpereigenem Gewebe. Diese kann erfolgen durch:
SYMBOL 183 \f "Symbol" \s 10 \h Latissimus dorsi-Lappen (Lado): Ein über den gleichnamigen Muskel gestielter Haut-Fett-Muskel-Lappen wird aus dem Rückenbereich durch die Achselhöhle hindurch in die Brustregion eingeschwenkt und zur Rekonstruktion - evtl. in Verbindung mit einer Prothese – verwandt. Die kosmetischen Langzeitergebnisse sind gut bis sehr gut. Nach Durchtrennung des sehnigen Muskel-Ansatzes am Oberarmknochen und vollständige Mobilisierung des Latissimus-Muskels sind nicht nur die kosmetischen Ergebnisse signifikant besser sondern es wird auch der störende Wulst - die Patientinnen haben das Gefühl von einem „Buch unterm Arm“ – vermieden.
SYMBOL 183 \f "Symbol" \s 10 \h TRAM-(Transverser-Rectus-Abdominis-Myocutaner) Lappen: Gestielt oder als freies Transplantat verwandt, bietet dieser Lappen ausreichend körpereigenes Gewebe für die Brustrekonstruktion. Dazu wird aus dem Unterbauch (unterhalb des Nabels) eine entsprechend große Haut-Fettgewebsinsel entnommen und unter der Haut des Oberbauches hindurch in die wiederaufzubauende Brust geschwenkt. Besonders bei größeren Brüsten bietet sich dieses Verfahren an.
SYMBOL 183 \f "Symbol" \s 10 \h Einlage einer Expanderprothese nach modifiziert radikaler Mastektomie. Problematisch ist bei den Prothesenrekonstruktionen, dass etwa zwei Drittel aller Prothesen im Laufe der Jahre wegen Komplikationen oder ungünstiger kosmetischer Ergebnisse wieder entfernt werden, so dass am EUSOMA Brustzentrum Rostock nur noch in Ausnahmefällen Prothesenrekonstruktionen erfolgen. Besonders ungünstig sind die Ergebnisse nach Protheseneinlage und Bestrahlung.
· Bei der hautsparenden Mastektomie (SSM, skin sparing mastectomy oder auch NSM = Nipple-sparing mastectomy) werden große Teile des Hautmantels und wenn irgendwie möglich auch die Brustwarze erhalten. Die kosmetischen Ergebnisse sind perfekt und die onkologische Sicherheit mit der nach vollständiger Brustamputation vergleichbar.
Der wesentlich Unterschied der hautsparenden Mastektomie zu der heute nicht mehr akzeptablen subkutanen Mastektomie ist die Verdünnung des Hautmantels. Bei der subkutanen Mastektomie muss der Operateur immer einen Kompromiss zwischen Radikalität und kosmetischem Ergebnis eingehen. Radikale Entfernung des Drüsenkörpers führt in aller Regel zu Prothesenkomplikationen oder kosmetisch ungünstigen Ergebnissen. Gute kosmetische Ergebnisse werden zumeist durch weniger radikale Entfernung des Drüsenkörpers „erkauft“. So konnte gezeigt werden, dass die Lokalrezidivrate bei subcutaner Mastektomie und Protheseneinlage doppelt so hoch war als nach SSM oder NSM und autologer Gewebsrekonstruktion.
Eine Bereitstellung von Eigen –oder Fremdblut ist nicht erforderlich. Bei der Auswahl der Techniken muss die individuelle Situation der Patientin (Aufwand-Nutzen-Risiken) berücksichtigt werden. Sollte die Brustwarze bei der Operation entfernt werden, kann diese später wiederaufgebaut oder auch nur tätowiert werden.
1.9 Adjuvante Therapie
1.9.1 Chemo- und Hormontherapie
Zahlreiche Studien haben zeigen können, dass durch eine Nachbehandlung mit Chemo- und/oder Hormontherapie nach erfolgter Operation das Risiko einen Krankheitsrückfall zu erleiden deutlich gesenkt werden kann. Deshalb wird heute in den allermeisten Fällen zu einer Nachbehandlung mit einer systemischen Therapie (Chemotherapie, Hormone, Antikörper) geraten. Dabei richten wir uns nach den aktuellen internationalen Therapieempfehlungen (St. Gallen, ASCO, San Antonio Breast Cancer Conference, AGO Konsensusmeeting Gravenbruch). Die genannten Therapieempfehlungen basieren auf der unterschiedlichen Einstufung der Patientinnen in verschiedene Risikogruppen aufgrund ihrer individuellen Tumorsituation.
Als EUSOMA Brustzentrum bieten wir unseren Patientinnen die Möglichkeit der Teilnahme an Studien. Über die aktuellen Studien können sie sich persönlich in unserer onkologischen Ambulanz informieren.
1.9.2 Antikörpertherapie
Im Jahre 2006 wurde erstmals ein monoklonaler Antikörper zur adjuvanten Therapie des Mammakarzinoms zugelassen. In mehreren Studien wurde eine signifikante Verringerung der Krankheitsrückfälle registriert, wenn die Patientinnen mit dem Antikörper Trastuzumab (Herceptin™) behandelt wurden. Alle Patientinnen mit einer HER2-Überexpression und Indikation zu einer Anthrazyklinhaltigen Chemotherapie erhalten am EUSOMA-Brustzentrum Rostock Herceptin™ für derzeit ein Jahr. Weitere monoklonale Antikörper (Bevazisumab, Avastin™; Trastuzumab) wurden beim fortgeschrittenen Brustkrebs getestet und sind seit März 2007 für die Therapie des fortgeschrittenen Brustkrebses zugelassen.
1.9.3 Neue Substanzen
Derzeit werden eine Vielzahl sogenannter „small molecules“ in klinischen Studien getestet. Am weitesteten vorangeschritten ist die Testung der Thyrosinkinaseaktivatoren, insbesondere von Lapatinib und dem RAD 001 einem TOR-Inhibitor. Zugelassen ist allerdings noch keine der Substanzen.
1.9.4 Studien
Neue Therapiemöglichkeiten lassen sich nur in Studien überprüfen!
Alle Studien, die wir unseren Patientinnen anbieten, haben die Zustimmung der Klinikleitung und sind von einer Ethik-Kommission als unbedenklich eingestuft worden. In diesen Studien werden die Patientinnen nach einem Zufallsprinzip zu dem derzeitigen Standardtherapiearm zugeordnet, oder aber der neuen Therapie. Dabei haben die Patientinnen in aller Regel die Chance, eine wirksamere und/oder besser verträglichere Therapie zu erhalten, als dies in dem Standardtherapiearm der Fall ist. Ihre Chance auf Heilung wird vergrößert. So haben mehrere Studien zeigen können, dass Patientinnen die innerhalb von Studien behandelt worden sind, ein um 10-20 % besseres Gesamtüberleben aufweisen, als Patientinnen die nicht in Studien behandelt wurden. Bevor ein Medikament in einer Studie eingesetzt wird, sind zahlreiche Voruntersuchungen erfolgt, die eindeutige Hinweise auf die Verträglichkeit und Wirksamkeit der zu überprüfenden Substanz ergeben haben. Das aktuelle Studienangebot können Sie ständig über unsere Fachambulanz erfragen.
1.9.5 Strahlentherapie
Postoperative Bestrahlung nach brusterhaltender Operation ist unverzichtbarer Bestandteil der brusterhaltenden Therapie. Mehrere unabhängige Studien haben zeigen können, dass der Verzicht auf Bestrahlung mit einer mehr als doppelt so hohen Lokalrezidivrate als nach zusätzlicher Bestrahlung einhergeht. Dies gilt auch für sehr kleine Tumoren. Üblicherweise erfolgt die Strahlentherapie in Form einer Bestrahlung der gesamten Brust und nachfolgender Aufsättigung des Tumorbettes durch eine gezielte Bestrahlung des Tumorbettes mit Elektronen oder Brachy-Therapie.
Die Bestrahlung der Thoraxwand nach erfolgter Brustamputation wird in Deutschland uneinheitlich gehandhabt. Mehrere Studien haben zeigen können, daß durch zusätzliche Bestrahlung der Thoraxwand nicht nur die Lokalrezidivrate, sondern auch das Gesamtüberleben verlängert wird. In einer großen EBCTCG-Meta-Analyse zur Bestrahlung der Thoraxwand mit über 20.000 Brustkrebspatientinnen zeigte sich zwar eine Abnahme der Lokalrezidivrate um rund 20% im Laufe von 20 Jahren, jedoch war der Gewinn für das Gesamtüberleben mit absolut 1,2% statistisch nicht signifikant. Entsprechend den NIH-Therapieempfehlungen gelten nach Mastektomie folgende Indikationen für eine Strahlentherapie:
· Tumoren >5 cm,
· Befall der Pektoralisfaszie /Thoraxwand,
· > 3 befallene axilläre Lymphknoten
· R1-Resektion.
Die Deutsche Gesellschaft für Senologie hat zudem als Indikation für eine Strahlentherapie nach Mastektomie folgende Indikationen angeführt:
· Multizentrizität,
· Patientinnenalter <35,
· N1
· Tumoren >3 cm,
· medialer/zentraler Tumorsitz,
· G3-Tumoren,
· extensive intraduktale Komponente (EIC) und
· negative Hormonrezeptoren.
Am EUSOMA Brustzentrum Rostock halten wir uns an den internationalen Therapierichtlinien.
1.10 Sozialdienste / Anschlussheilbehandlung / Nach- und Festigungskur / Schwerbehindertenausweis
Nach Abschluss der stationären Behandlung besteht die Möglichkeit, eine ambulante oder stationäre Reha-Massnahme (Anschlussheilbehandlung (AHB) oder Nach- und Festigungskur) zu beantragen. Ziele dieser zumeist dreiwöchigen Rehamaßnahme ist die Wiederherstellung der Lebensqualität und Schaffung der Voraussetzungen für die Wiedereingliederung in das Alltags-und Berufsleben.
Die Anschlussheilbehandlung kann direkt nach der Entlassung aus dem Krankenhaus beginnen, wenn keine Chemo- oder Strahlentherapie nötig ist. Einige Einrichtungen führen heute auch während der AHB Chemotherapien durch.
Eine Nach- und Festigungskur kann beantragt werden, wenn die Rehabilitationsmaßnahme nach einer Chemotherapie stattfinden soll oder diese zu einem späteren Zeitpunkt gewünscht wird. Eine Wiederholung ist in den nachfolgenden Jahren Möglich. Die AHB – und falls gewünscht auch die Nach- und Festigungskur - wird vom Sozialdienst unserer Klinik gemeinsam mit der Patientin beantragt.
An Krebs erkrankte Menschen können einen Antrag auf Schwerbehindertenausweis nach dem 9. Sozialgesetzbuch (§ 69 SGB IX) stellen. Bei Vorliegen einer malignen Erkrankung wird in der Regel ein Grad der Behinderung (GdB) von mindestens 50% festgestellt. Nach heutiger Rechtsauffassung reicht aber die maligne Erkrankung allein nicht zur Feststellung des Grades der Behinderung aus. Wesentlich häufiger werden Funktions- oder Leistungsminderungen, die zu einer „... Minderung der Erwerbsfähigkeit ...“ führen. Nach der sogenannten Heilungsbewährung von 5 Jahren kann eine Rückstufung erfolgen. Mit dem Schwerbehindertenausweis sind Vorteile am Arbeitsplatz (Zusatzurlaub, Kündigungsschutz) und Steuerfreibetrag, verbunden.
Anträge hält der Sozialdienst für Patientinnen des Klinikums bereit. Zuständig sind die Landesämter für soziale Dienste/Integrationsämter (früher Versorgungsamt).
1.11 Nachsorgeuntersuchungen
Nachdem Sie operiert worden sind und bald in Ihre gewohnte häusliche Umgebung zurückkehren werden, haben Sie das Meiste eigentlich auch schon überstanden. Möglicherweise schließt sich bei Ihnen noch eine Bestrahlung und/oder Chemotherapie oder/und Hormontherapie an. Wenn Sie auch diese zusätzlichen Behandlungsschritte absolviert haben, werden Sie als geheilt aus der Uni-Frauenklinik entlassen. Dennoch wissen wir, dass bei einigen Frauen ein Rückfall eintreten kann.
Die gesamte Nachsorge erfolgt bei Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt. Die Untersuchungsabstände betragen in den ersten 2 Jahren 3 Monate und werden danach auf halbjährliche Untersuchungsabstände verlängert. Nach dem 5. Jahr erfolgt keine Nachsorge mehr, sondern eine Früherkennung, die dann nur noch einmal jährlich notwendig ist. Dabei werden Sie befragt und einer körperlichen Untersuchung unterzogen. Die Brust bzw. Brustwand, aber auch die Lymphabflussbahnen werden beurteilt.
Die Mammographie und Mammasonographie wird in regelmäßigen Abständen durchgeführt. Bei Patientinnen, die bestrahlt wurden, können im ersten Jahr auch noch Röntgenuntersuchungen der Lunge zum Ausschluss einer möglichen Strahlenschädigung erforderlich werden. Weitere Röntgenuntersuchungen der Lunge, Skelettszintigraphie, Lebersonographie und Blutuntersuchungen (Tumormarker!) haben in der Nachsorge geringe oder keinerlei Bedeutung!
Die wesentlichen Gründe für den Verzicht auf solche Untersuchungen sind:
· 80–90 % aller Krankheitsrückfälle (Rezidive oder Metastasen) äußern sich allein aufgrund von Schmerzen oder Beschwerden.
· Keine Nachsorgeuntersuchung kann einen Rückfall verhindern
· Durch die zusätzlichen Untersuchungen werden sehr häufig falsche Ergebnisse erhoben. Das heißt, der Befund legt einen Krankheitsrückfall nahe, obwohl gar kein krankhafter Befund besteht.
· Die Erkennung von tatsächlichen Krankheitsrückfällen durch diese Untersuchungen stellt die Ausnahme dar.
· Eine frühzeitige Behandlung solcher zufällig entdeckten Befunde hat gegenüber der Behandlung von Befunden, die bereits Beschwerden machen und durch die Beschwerden erkannt werden, keinerlei Vorteile.
· Viel häufiger werden Beschwerden zuerst bemerkt, und deshalb ist es äußerst wichtig, dass Sie sich bei anhaltenden Beschwerden, wie:
- Husten, der nach 14 Tagen auch noch besteht,
- Luftnot, die zunächst bei Belastung beginnt und dann weiter zunimmt,
- Rücken- bzw. Knochenbeschwerden, die vorher nicht dagewesen sind,
- Abnormer Gewichtsverlust ohne erklärbare Ursache,
- Schlappheitsgefühl
bei Ihrem behandelnden Frauenarzt vorstellen. Empfehlenswert ist, dass Sie sich selbst alle 4 Wochen die Brust bzw. Brustwand und Lymphabflussbahnen untersuchen, ebenso die gesunde Brust.
1.11.1 Inhalte der Nachsorge
Nun werden Sie sich fragen, warum dennoch regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen bei Ihrem Frauenarzt?
Nachsorgeuntersuchungen sind erforderlich zur:
· Erkennung eines Rezidivs bzw. Karzinomleidens in der gesunden Brust, denn das Risiko, auf der gesunden Seite auch ein Krebsleiden zu bekommen, ist wesentlich größer als bei Frauen, die kein Brustkrebsleiden hatten.
· Erkennung von Rückfällen im Bereich der Brust bzw. Brustwand, da diese als Anfangsbefunde operativ behandelt werden können und keine Nachteile für das Gesamtüberleben bedeuten.
· Erkennung von Tochtergeschwülsten (Metastasen), denn die Praxis hat gezeigt, dass Patientinnen trotz bestehender Beschwerden nur ungern von alleine zum Arzt gehen und lieber auf den Nachsorgetermin warten.
· Patientinnen mit Brustkrebs haben ein höheres Risiko, auch an den inneren Genitalien ein Krebsleiden zu entwickeln. Deshalb sind gynäkologische Vorsorgeuntersuchungen wichtig.
· Hinsichtlich einer möglichen Hormonbehandlung kann Sie Ihr Frauenarzt umfassend beraten.
· Erstellung von Rezepten.
· Hilfe bei der Ausfüllung von Anträgen
· Beratung z. B. hinsichtlich
- zusätzlicher Therapiemaßnahmen
(komplementäre Therapie): Im Gegensatz zu den komplementären Therapien – diese werden
zusätzlich zur Schulmedizin gegeben – ersetzt die alternative Therapie
die Schulmedizin.
Immer wieder wird gefragt, was kann ich zusätzlich an Medikamenten einnehmen,
damit ich das Krebsleiden besiegen kann. Dazu werden in der Apotheke zum Kauf
verschiedene Präparate, wie: Mistelextrakte, Lektinol, Immunstimulantien,
Selen, Zink, Enzyme, Wobe-Mugos, Vitamine, Tees etc. angeboten. Die
wissenschaftlichen Daten lassen derzeit den Schluss zu, dass diese Medikamente
mit Ausnahme der Immunstimulantien Ihnen wahrscheinlich nicht schaden.
Es gibt aber bis heute keinen Beweis für die Wirksamkeit dieser Präparate! Derzeit
gibt es aber ernst zunehmende Hinweise, wonach eine Einnahme von Vitaminen oder
Spurenelementen während einer laufenden Chemotherapie oder / und Bestrahlung zu
einem Wirkungsverlust der eigentlichen Behandlung führen. Dies wird damit
erklärt, dass die Krebszellen einen wesentlich höheren Stoffwechsel haben und
sich durch die zusätzlichen Vitamine bzw. Spurenelemente besser und stärker
schützen können als die gesunden Körperzellen.
- Diät: Es gibt keine Krebsdiät! Ernähren Sie sich gesund, d. h. mit einer abwechslungsreichen Kost, wie sie uns allen bekannt sein sollte, dann brauchen Sie auch keine zusätzlichen Vitaminpräparate einzunehmen.
- Sport:Sportliche Betätigung steigert das Wohlbefinden und auch das Immunsystem und kann letztlich auch nachweisbar zu einer Verhinderung eines möglichen Rückfalls führen. Sport in Übungsgruppen mit Gleichgesinnten trägt nicht nur zum Wohlbefinden sondern auch zum Gedankenaustausch und Vermeidung sozialer Isolation bei.
In der Hoffnung, Ihnen mit den oben gemachten Angaben wertvolle Hinweise für die Notwendigkeit von Nachsorgeuntersuchungen, aber auch gleichzeitig für die Ablehnung unnötiger Untersuchungen gegeben zu haben, wünschen wir Ihnen persönlich alles Gute.
Sollten Sie dennoch Fragen haben, wenden Sie sich bitte an Ihre Frauenärztin oder Ihren Frauenarzt. Bei schwerwiegenderen Problemen wird sich dieser dann auch mit uns in Verbindung setzen oder aber Sie erneut in unserer Klinik vorstellen.
Empfohlene Nachsorgeuntersuchungen nach Brustkrebs
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Nachsorge |
Früherkennung |
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Jahre nach Erstbe- handlung |
1 2 3 |
4 5 |
6 und weiter |
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Anamnese, Untersuchung, Beratung |
vierteljährlich |
Halbjährlich |
jährlich |
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Tumormarker, Laboruntersuchung, Lebersonographie, Skelettszintigraphie |
nur bei Beschwerden und Verdacht auf Rezidiv / Metastasen
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Mammographie |
jährlich bei brusterhaltender Operation evtl. zusätzlich nach 1/2 und 1 1/2 Jahren |
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Gynäkologische Untersuchung |
mindestens jährlich |
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1.11.2 Verhaltensregeln bei Lymphödemen (Lymphstau) des Armes
Trotz sorgfältiger Operation kann es nach Operation und Bestrahlung zu einer Armschwellung (Lymphödem) kommen. Mit den nachfolgenden Verhaltensregeln wollen wir Ihnen helfen, ein Ödem zu vermeiden bzw. eine Verschlimmerung zu verhindern.
Für betroffene Frauen ohne Beschwerden und ohne Lymphödem gibt es keine speziellen Verhaltensregeln. Nur für Betroffene mit einem Lymphödem sind folgende Empfehlungen zutreffend.
Verletzungen
Wiederholte Verletzungen führen zur Zerstörung von Lymphgefäßen oder zu Blutergüssen, welche die Lymphflüssigkeitsmenge erhöhen und so die Lymphbahnen zusätzlich belasten.
Vorsicht bei der Gartenarbeit mit Stacheln und Dornen, Umgang mit Haustieren wegen der Kratz- und Bisswunden, wiederholte Insektenstiche etc.
Überlastungen
Anhaltende und schwere körperliche Arbeiten des betroffenen Armes (Sport, Fließbandarbeit etc.) führen durch Zunahme der Lymphflüssigkeitsbildung zur Ödemverstärkung und sollten deshalb vermieden werden).
Vorsicht vor Überwärmung
Durch Weitstellung der Gefäße wird der Lymphabstrom verringert und die Lympheinlagerung weiter erhöht. Dies trifft aber nur bei anhaltender und hoher Temperatureinwirkung (Sauna) zu. Deshalb Sauna vorsichtig ausprobieren.
Manuelle Lymphdrainage
Ein bestehendes Lymphödem wird eigentlich niemals vollständig verschwinden. Ziel der Therapie ist es daher, die Funktion der vorhandenen Lymphbahnen zu verbessern. Dazu sollte in bestimmten zeitlichen Abständen eine physikalische Ödemtherapie, bestehend aus Lymphdrainage mit eventueller Kompressionsbehandlung, gymnastischem Intervalltraining und Armhochlagerung, erfolgen. Kompressionsstrümpfe sind zwar wirksam, werden aber wegen ihres Aussehens und der umständlichen Handhabung nur kurzzeitig von den Betroffenen getragen.
Schwimmen
Durch den fließenden Druck des Wassers und der Muskelpumpen ist Schwimmen bestens zur Vorbeugung aber auch zur Behandlung eines bestehenden Lymphhödems geeignet.
Vermeidung von Übergewicht
Die überflüssigen Fettzellen führen zu einer Komprimierung der Lymphgefäße, sodass der Abfluss behindert wird.
Nachfolgend sind einige Übungen (?) dargestellt, die Sie zur Vorbeugung eines Lymphödems durchführen können.
Vermeidung eines Lymphödems
Zur Vermeidung eines Lymphödems werden regelmäßige körperliche Übungen empfohlen. Einige allgemeine Ratschläge zur Übungsanleitung für Brustpatientinnen
· Üben Sie am Anfang nur langsam und kurze Zeit, Übungen dürfen nicht anstrengend sein.
· Bei Musik bewegen Sie sich leichter und rhythmischer.
· Führen Sie jede Übung immer nur bis zur Schmerzgrenze aus (fünf- bis zehnmal).
· Aufrecht hinstellen, mit den Händen die Wand entlang nach oben krabbeln, bis die Arme ganz gestreckt sind.
· Entspannen Sie sich zwischendurch und atmen Sie ruhig.
· Kontrollieren Sie sich vor dem Spiegel!
1.12 Brustdrüse des Mannes
1.12.1. Brustkrebs des Mannes
Das männliche Mammakarzinom ist zwar sehr selten. So erkranken pro
Jahr etwa 1-2 von 1.000.000 Männern an einem Brustkrebs. Deshalb wird es häufig
verkannt. Männer, die einen einseitigen – zumeist schmerzlosen - Knoten in der
Brust bemerken, sollten sich umgehend in der Brustsprechstunde vorstellen. Hier
wird neben der weiterführenden Diagnostik, die histologische Abklärung und alle
Therapieschritte koordiniert.
1.12.2. Gynäkomastie
(Brustbildung beim Mann)
Auch beim Mann wird ein Drüsenkörper angelegt, der sich allerdings
wegen der fehlenden weiblichen Sexualhormone nicht weiter ausbildet. Bei der
Gynäkomastie handelt es sich um eine zumeist schmerzlose Proliferation und
Vergrößerung des männlichen Drüsenkörpers, so dass letztlich ein Brustgröße wie
bei Frauen resultieren kann. Ursächlich hierfür muss ein Überschuss an
weiblichen Sexualhormonen gesehen werden. Diese können entstehen bei
Übergewicht, Alkoholabusus, Leberschädigung, Anabolikaanwendung oder sonstige
Hormonstörungen. Bei den meisten Patienten wird die Gynäkomastie als kosmetisch
sehr störend empfunden. Nach Ausschluss eines sehr seltenen beidseitigen
Tumorgeschehens, sollte zunächst die eigentliche Ursache für die Gynäkomastie
(s. oben) beseitigt werden. Medikamentöse Maßnahmen beinhalten Antiöstrogene
(Tamoxifen oder Aromatasehemmer – beide sind nicht für die Therapie der
Gynäkomastie zugelassen !). Die operative Entfernung des Drüsenkörpers ist
besonders bei Patienten mit ausgeprägter Gynäkomasie und fehlendem Ansprechen auf
medikamentöse Maßnahmen indiziert. Dazu sollte vorher allerdings eine
Kostenübernahme durch die Krankenkasse geklärt werden.
2. Plastische und Kosmetische Operationen
Plastische bzw. kosmetische Operationen setzen neben einer sehr großen Erfahrung ein hohes ästhetisches Empfinden voraus. Im Vorfeld der Operation ist zu klären, ob es sich um eine medizinische oder rein kosmetische Operation handelt. Letztere müssen durch die Patientin selbst bezahlt werden. Die meisten kosmetischen Eingriffe werden ambulant durchgeführt. Zumeist wird auch ein kleiner Schlauch zum Absaugen des Wundsekretes während der Op eingelegt.
2.1 Makromastie (Mammahyperplasie) – Brustverkleinerung (Reduktionsplastik)
Bei der echten Mammahyperplasie bedingen statische Beschwerden mit Schmerzen und Schnürfurchen im Schultergürtel-Nackenbereich, Kopfschmerzen, Rundrückenbildung und erosive Infektionen (Entzündungen) in den Submammarfalten eine medizinische Op-Indikation. Als Grenze für eine medizinisch indizierte Brustverkleinerung werden Resektionsgewichte von mehr als 500 Gramm pro Seite angesehen, wobei dies natürlich vom Habitus der Patientin abhängt. Übergewichtige Patientinnen müssen vor einer Reduktionsplastik das Gewicht reduzieren. Wir bevorzugen eine Frei-Hand-Anzeichnungsfigur, die es erlaubt die Brust dem Habitus der Patientin anzupassen. Bei den meisten Schnitttechniken verläuft die Narbe ankerförmig um die Areola, senkrecht auf die untere Umschlagfalte und weiter in dieser. Bei Resektionsgewichten bis 1000 g und mäßiger Ptose vermeiden wir die lange horizontale Narbe in der unteren Umschlagsfalte, so dass nur um die Brustwarze und eine davon senkrecht nach unten verlaufende, meist kaum sichtbare, Narbe verbleibt (Lejour-Technik).
2.2 Fehlbildungen der Brust
Fehlbildungen, wie Poland-Syndrom, tubuläre Brust, deutliche Asymmetrie, Aplasie, Hemmungsfehlbildungen, Polymastie etc. manifestieren sich im Jugendalter. Die jugendliche Hypoplasie stellt nur eine fragliche Fehlbildungen dar. Eine hormonelle Stimulation des Brustwachstums durch Hormone ist wegen der fehlenden Rezeptoren nicht möglich. Bei entsprechendem Leidensdruck infolge Fehlbildung ist eine medizinische Indikation zur Korrektur gegeben. So führen Brustdeformitäten insbesondere im Teenageralter zu abwertenden Bemerkungen Gleichaltriger mit sozialer Isolierung und Fixation von Verhaltensauffälligkeiten. Die Korrektur sollte deshalb nicht zu spät erfolgen.
2.3 Hypoplasie / Ptose (Hängebrust) – Lifting (Straffung)
Besonders nach längerem Stillen können eine Hypoplasie (Mikromastie, zu kleine Brust) und / oder Ptose (Hängebrust) resultieren, die aber keinen Krankheitswert besitzen. In diesen Fällen besteht keine medizinische Indikation zur plastischen Korrektur, so dass diese Eingriffe auch keine Kassenleistungen darstellen. Eine geringe Hypoplasie kann durch alleinige Protheseneinlage korrigiert werden, bei erheblicher Ptose wird eine simultane Straffung (Lifting) erforderlich.
2.4 Brustvergrößerung, Brustaufbau (Augmentation)
Bei der Augmentation werden heute (nur noch) anatomisch geformte Implantate unter den Drüsenkörper oder besser unter den großen Brustmuskel eingebracht. Als Zugang wählt man die untere Brustumschlagsfalte, den Warzenhof oder die Achselhöhle. Nachdem die Sicherheit der Silikonimplantate durch zahlreiche Studien überprüft wurde, gibt es derzeit auch keine echte Alternative zum Silikon. Bis auf wenige Ausnahmen ist dieser Eingriff durch die Patientin selbst zu bezahlen.
2.5 Bauchdeckenplastiken, „Reithosen“, Fettabsaugung (Liposuction)
Korrekturen an der Bauchdecke oder den Oberschenkeln können durch alleinige Fettabsaugung oder aber Resektion überschüssiger Haut erfolgen. Besonders bei überdehnter Haut (Striae) ist das Zusammenziehen der Haut unwahrscheinlich, so dass hier eher eine Hautresektion erfolgen muss.
2.6 Kürzung der Kleinen Labien (Schamlippen)
Die Kürzung der kleinen Schamlippen erfolgt zumeist aus kosmetischen Gründen ambulant in Vollnarkose. Bis auf wenige Ausnahmen ist dieser Eingriff durch die Patientin selbst zu bezahlen.
3. Gynäkologische Erkrankungen
Durch die frauenärztlichen Krebsfrüherkennungsuntersuchungen lassen sich beginnende Krebserkrankungen im Bereich des weiblichen Genitale heute zu einem Großteil verhindern oder aber in einem Frühstadium entdecken, so dass hier meist nur eine „kleine“ Operation erforderlich ist. Erstes Symptom von Erkrankungen des weiblichen Genitale stellen häufig atypische Blutungen (Zwischenblutungen, Blutungen nach Verkehr, Schmierblutungen) oder vermehrter Ausfluss oder Blutungen nach den Wechseljahren – auch wenn sie noch so schwach sind – oder „Schmieren“ oder Abgang von „fleischwasserfarbenen“ Ausfluss dar. Merke: Krebs macht am Anfang keine Schmerzen!
3.1 Zervixdysplasien
Insbesondere im Bereich des äußeren Muttermundes finden sich immer wieder Veränderungen, die sich unbehandelt zu Gebärmutterhalskrebs weiterentwickeln. Durch frauenärztliche Krebsfrüherkennungsuntersuchungen lassen sich beginnende Krebserkrankungen im Bereich des Gebärmutterhalses heute zu einem Großteil verhindern oder aber in einem Frühstadium entdecken, so dass hier meist nur eine „kleine“ Operation erforderlich ist. Dazu genügen meist regelmäßige Abstriche und lupenoptische Betrachtung des Muttermundes. In speziellen Fällen kann auch ein Test auf Viren (HPV 16, 18) erforderlich sein. Beginnende krebsartige Veränderungen werden heute nach Sicherung der Diagnose durch zunächst winzige Gewebsbiopsie mittels LASER oder Hochfrequenzstrom mit eine Schlinge flach reseziert. Dadurch wird einmal Heilung erreicht und gleichzeitig der Gebärmutterhals für spätere Schwangerschaften geschont. Bei jungen Frauen oder besser noch Mädchen vor Aufnahme des Geschlechtsverkehrs kann heute mit einer Impfung gegen die HPV-Viren, die maßgeblich an der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs beteiligt sind, die Entstehung dieses Krebses verhindert werden.
3.2 Postmenopauseblutungen (Blutungen nach den Wechseljahren)
Jede Blutung aus der Scheide, die nach den Wechseljahren auftritt, muss durch einen Frauenarzt/-ärztin abgeklärt werden. Häufige Ursachen sind gutartige Veränderungen in der Gebärmutterhöhle oder den äußeren Genitalien. Mit zunehmendem Alter kommen aber immer häufiger bösartige Erkrankungen des äußeren Genitale (Schamlippen), der Scheide, des Muttermundes und der Gebärmutterhöhle als Ursache in Betracht.
3.3 Bauchhöhlenschwangerschaft
Jede Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutterhöhle wird als Bauchhöhlenschwangerschaft bezeichnet. Diese sitzt in über 90 % aller Fälle im Eileiter, sehr selten im Eierstock oder in der Zervix (Gebärmutterhals). Bei einer absterbenden Eileiterschwangerschaft (Tubarabort) kommt es typischerweise nach einer 5-6 wöchigen Regelpause zu einer Schmierblutung aus der Scheide bei gleichzeitig bestehenden ziehenden einseitigen Unterleibsschmerzen. Die Erkennung einer Bauchhöhlenschwangerschaft umfasst heute die Anamnese, den gynäkologischen Untersuchungsbefund, Hormonanalysen (Schwangerschaftstest) und Ultraschall. Die Therapie besteht in einer Bauchspiegelung, bei der die Schwangerschaft aus dem Eileiter entfernt wird, wobei dieser in nahezu allen Fällen erhalten werden kann.
3.4 Gutartige Erkrankungen der Gebärmutter (Myomknoten, Uterus myomatosus)
Bei etwa 60-70% aller Frauen zwischen dem 35. und 50. Lebensjahr finden sich gutartige Geschwülste in der Gebärmutter (Myomknoten), diese machen wiederum in etwa der Hälfte der Fälle Beschwerden. Von der Lokalisation der Myomknoten:
- in der Gebärmutterhöhle,
- in der Gebärmutterwand oder aber
- von der Gebärmutterwand ausgehend in den Bauchraum wachsend
hängt die Art der Beschwerden ab. Insbesondere Myomknoten, die in die Gebärmutterhöhle oder Gebärmutterwand hineinwachsen, führen zu Blutungsstörungen – meist zu lange und zu starke Regelblutung. Als Folge dieser starken Blutverluste stellt sich eine Blutarmut (Anämie) ein.
Eine Behandlung ist dann indiziert, wenn diese Myomknoten Beschwerden machen (Blutungsstörungen, Druckgefühl, Menstruationsbeschwerden ... ) oder aber wenn die Myome eine bestimmte Größe erreicht haben, weil dann auch das operative Vorgehen erschwert wird oder Komplikationen drohen. Zur Behandlung von Myomen werden derzeit an der UFK Rostock genutzt:
3.4.1 Hormone
Diese sind vor allem zur Verminderung der Blutungsstärke oder zur langfristigen Ausschaltung der Regelblutung geeignet. Besonders gute Ergebnisse hinsichtlich Blutungskontrolle wird auch mit einer speziellen Hormon-abgebenden Spirale (Mirena™) erzielt.
3.4.2 Operation
Vordergründiges Ziel der operativen Behandlung von Myomknoten und Beschwerden besteht im Erhalt der Gebärmutter. Operative Maßnahmen kommen in der Regel dann zum tragen, wenn konservative Behandlungsmaßnahmen (Hormonanwendungen, Ausschluß anderer Ursachen) versagt haben.
Laparoskopie, Hysteroskopie:
Bei Frauen mit Kinderwunsch und Wunsch nach Organerhalt wird man je nach Lokalisation der Myome diese Myomknoten entweder auf dem Wege der Gebärmutterspiegelung (Hysteroskopie) oder aber Bauchspiegelung (Laparoskopie) – auch als „Schlüsselloch-Chirurgie“ bezeichnet - entfernen. Bei sehr großen und vielen Myomen könne diese auch über einen kleinen Bauchschnitt sicher entfernt werden.
Endometriumablation (Verödung der Gebärmutterschleimhaut):
Sollte kein Kinderwunsch mehr bestehen und die Blutungen im Vordergrund der Beschwerden stehen, so kann die Gebärmutterschleimhaut verkocht oder mit einer Elektroschlinge abgetragen werden.
Gebärmutterentfernung (Hysterektomie):
Sollte kein Kinderwunsch mehr bestehen, oder aber die Größe der Myomknoten und damit der Gebärmutter eine bestimmte Größe überschreiten, so erfolgt im allgemeinen die Entfernung der Gebärmutter entweder
- durch die Scheide (sehr schonendes und schnelles Verfahren mit schneller Genesung !!!) oder
- durch eine Kombination von Bauchspiegelung und Entfernung durch die Scheide oder
- laparoskopisch, d.h. durch mehrere kleine Einstiche durch die Bauchdecke; hierbei kann die ganze Gebärmutter (TLH) oder aber auch nur der Gebärmutterkörper (LASH) entfernt werden, oder
- über einen Bauchschnitt.
3.4.3 Myomembolisation (Verschluß) der Arteria uterina
Bei diesem Verfahren zur Erhaltung der Gebärmutter wird an der UFK Rostock in Lokalanästhesie ein dünner Schlauch (Katheter) in der Leistenregion in die Blutgefäße eingebracht. Dieser Katheter wird bis in das Blutgefäß, über dass die vergrößerte Gebärmutter versorgt wird, vorgeschoben und durch Einbringen von bestimmten Partikeln verschlossen. Dadurch wird die Blutzufuhr gedrosselt und die Myome schrumpfen. Zum teil sehr starke Schmerzen erfordern die stationäre Behandlung mit Analgetika und Beobachtung über einige Tage. In 80 % der behandelten Fälle kommt es zu einer deutlichen Besserung der Beschwerden. Nachteilig ist die hohe Strahlenbelastung, weshalb dieses Verfahren bei bestehendem Kinderwunsch nicht angewandt werden sollte. Auch kommt es dadurch zu einem vorzeitigen Eintritt in die Wechseljahre.
3.4.3 Ultraschall-gestützte Myomzerstörung
Bei diesem noch experimentellen Verfahren wird unter Studienbedingungen mittels Ultraschallwellen der Myomknoten „verkocht“. Grenzen sind dabei die Myomgröße und deren Lokalisation. Die Krankenkassen übernehmen hierfür nicht die Kosten.
3.5 Fehlgeburt (Abort)
Bei einer Fehlgeburt handelt es sich um die Ausstoßung eines nicht lebensfähigen Kindes – in der Regel vor der 23./24. Schwangerschaftswoche – während man nach diesem Zeitpunkt von einer Frühgeburt spricht. Die Ursachen für eine Fehlgeburt reichen von Anlagestörungen, Entwicklungsstörungen, Infektionen etc. der Fruchtanlage. Besonders häufig sind Fehlgeburten zwischen der 6. und 12. Schwangerschaftswoche. Diese zeigen sich durch vaginale Schmierblutungen bis hin zu starken vaginalen Blutungen mit „Stückabgang“ (hierbei handelt es sich meist um die Fruchtanlage). In weniger als der Hälfte aller beginnenden Aborte hören die Blutungen von allein wieder auf und es kommt zu einem normalen Schwangerschaftsverlauf. Bei gestörten Fruchtanlagen oder abgestorbener Fruchtanlage wird heute zu einer Ausräumung der Gebärmutterhöhle (Curettage) geraten, da ansonsten die Gefahr eines erhöhten Blutverlustes und einer aufsteigenden Entzündung mit Ausbreitung in die Gebärmutterhöhle droht.
3.5 Eierstockserkrankungen
3.5.1 Tumoren
Gutartige Erkrankungen der Eierstöcke (Zysten, Verwachsungen, Tumoren etc.) werden in der Frauenklinik Rostock bis auf wenige Ausnahmen mittels laparoskopischer OP-Techniken entfernt. Bei „jungen“ Frauen ist die Erhaltung der Eierstöcke für die Hormonbildung sehr wichtig. Bei den allermeisten Erkrankungen gelingt auch die Erhaltung beider oder wenigstens eines Eierstocke. „Ältere“ Frauen weisen häufiger Befunde an den Eierstöcken auf. Auch diese lassen sich in aller Regel über eine Bauchspiegelung und einen Bergebeutel sicher aus dem Bauchraum entfernen. Wesentliche Vorteile der Bauchspiegelung sind die nahezu fehlenden Beschwerden / Schmerzen, die rasche Mobilisation, fehlende postoperative Komplikationen (Wundheilungsstörungen) und der kurze Krankenhausaufenthalt. Bei Verdacht auf Bösartigkeit kann ebenfalls - in aller Regel zur Bestätigung der Diagnose - eine Bauchspiegelung durchgeführt werden. Bestätigt sich der Verdacht histologisch, so wird ein Bauchschnitt erforderlich. Siehe hierzu unter Eierstockskrebs.
3.5.2 Entzündungen
Ursachen sind häufig aufsteigende Erreger und / oder sehr lange liegende intrauterine Spiralen. Eileiterentzündungen können bis zur Eiterbildung in den Eileitern mit Übergreifen auf die Nachbarorgane reichen und letztlich zu schwersten Entzündungen im Bauchraum führen. Deshalb sollten sie möglichst früh erkannt und mit Antibiotika behandelt werden. Die allermeisten Eileiterentzündungen werden durch Bauchspiegelung gesichert. Falls bereits Eiter vorhanden sein sollte wird dieser bei der Bauchspiegelung entfernt.
3.6 Endometriose
Bei dieser Erkrankung findet sich Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutterhöhle, zumeist an den inneren Genitalorganen, aber auch auf dem Bauchfell und dem Dickdarm. Da das Blut während der Monatsblutung nicht abfließen kann, wird es am jeweiligen Ort ins Gewebe eingelagert. Es entstehen hier sogenannte Endometrioseherde. Diese machen eine lokale Entzündungsreaktion, die sich letztlich in Schmerzen vor und während der Regelblutung äußern. Langfristig entstehen Narben und Verwachsungen, die auch zur Kinderlosigkeit führen können. Die Beschwerden werden häufig lange Zeit verkannt. Die Behandlung besteht in einer Kombination aus Operation – zumeist Entfernung der Herde mittels Bauchspiegelung – und Medikamenten. Bei Kinderwunsch sollte eine Vorstellung in dem unserer Klinik angeschlossenen Praxiszentrum für Frauenheilkunde erfolgen.
4. Unterleibskrebs - Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) - Gebärmutterkörperkrebs (Korpuskarzinom) - Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom)
4.1 Operation
Durch Früherkennung von noch nicht invasiven Krebsleiden (lokal beschränkt, können keine Metastasen setzten) lassen sich Krebse im Bereich des weiblichen Genitale zu einem Großteil verhindern oder aber in einem Frühstadium entdecken, so dass hier meist nur eine „kleine“ Operation erforderlich ist.
Haben sich diese Anfangsbefunde jedoch zu einem „richtigen“ Krebsleiden entwickelt, d.h. diese könne auch in den gesamten Körper streuen, so ist in den allermeisten Fällen eine „große“ Operation erforderlich. Dabei werden je nach Befund Gebärmutter, Eierstöcke, Eileiter, Lymphknoten und falls erforderlich weitere befallene Organe operativ entfernt. Solche Operationen setzen eine große Erfahrung und interdisziplinäre Zusammenarbeit voraus. Das operative Vorgehen ist für den weiteren Krankheitsverlauf bzw. Heilung von entscheidender Bedeutung. Dank sehr häufiger Durchführung solcher Krebs-Operationen und einer guten interdisziplinären Zusammenarbeit hat sich die Universitätsfrauenklinik Rostock zu einem international bekannten operativen Zentrum in der Behandlung von gynäkologischen Krebsleiden herausgebildet. Neben der technischen Ausstattung sind alle für die erfolgreiche Operation von Unterleibstumoren erforderlichen Fachbereiche in unserer Klinik „unter einem Dach“ vereinigt:
- Radiologen - Ausdehnung des Befundes,
- Internisten – Vorbereitung der Patientinnen,
- Pathologen - intraoperative Beurteilung der Art der Krebserkrankung, Entfernung im Gesunden,
- Chirurg – Darmresektion im Falle von Darmbeteiligung,
- Urologe – Resektionen bei Beteiligung von Blase oder Harnleiter, sowie
- Anästhesie und Intensiv-Medizin - Betreuung während und nach der Operation.
Damit werden auch ausgedehnte Karzinom-Operationen erfolgreich durchführbar. In zahlreichen Untersuchungen hat man nachweisen können, dass die Operation bei gynäkologischen Krebsleiden die größte Bedeutung für den weiteren Krankheitsverlauf hat. Merke: Auch eine noch so gute Chemotherapie kann eine schlechte Operation nicht ersetzen! Deshalb sollten gynäkologische Krebsoperationen nur in großen Zentren mit entsprechender Erfahrung und Qualifikation erfolgen.
Patientinnen mit Gebärmutterkörperkrebs sind häufig stark übergewichtig und haben weitere für die Wundheilung schlechte Voraussetzungen wie Bluthochdruck oder erhöhten Blutzucker. Diesen Patientinnen wird heute vorzugsweise eine kombinierte Operation bestehend aus Bauchspiegelung und Entfernung der Genitalorgane durch die Scheide angeboten. Bei der Bauchspiegelung werden die Lymphknoten aus dem kleinen Becken entfernt, die Eileiter und Eierstöcke sowie die oberen Anteile der Gebärmutter im kleinen Becken abgesetzt. In derselben Operation werden dann durch die Scheide die inneren Genitalorgane endgültig entfernt. Die Vorteile dieser Operationstechnik sind für alle betroffenen Frauen deutlich spürbar. So können sie bereits am Tag nach der Operation ohne Beschwerden aufstehen, gehen und normal trinken und essen.
4.2 Chemotherapie/Hormotherapie
An der Universitäts-Frauenklinik besteht eine onkologische Ambulanz sowie eine Tagesklinik, die von spezialisierten Frauenärzten geleitet wird. Über diese Ambulanz können wir alle für die Behandlung von Brustkrebs- bzw. weiblichen Unterleibskrebsen erforderlichen Behandlungen durchführen. Auf dem Gelände der eigenen Klinik findet sich zudem die Strahlenklinik der Universität Rostock.
5. Harninkontinenz (unwillkürlicher Urinabgang)
Viele Frauen leiden unter unwillkürlichem Abgang von Urin, besonders mit zunehmendem Alter sind mehr Frauen betroffen. Die betroffenen Frauen sprechen ungern über dieses Problem. In vielen Fällen kann der unwillkürliche Urinabgang jedoch durch Medikamente oder eine Operation gebessert oder beseitigt werden. Voraussetzung für die Behandlung ist zunächst eine spezialisierte Untersuchung, bei der die Drücke in der Blase und Harnröhre bei verschiedener Blasenfüllung gemessen werden. Aufgrund dieser Drücke unterscheidet man zwei Formen der Harninkontinenz. Bei der sogenannten Dranginkontinenz verspüren die betroffenen Frauen plötzlich einen starken Harndrang. Diese Form der Harninkontinenz wird vorzugsweise mit Medikamenten behandelt.
Bei der Stressinkontinenz kommt es beim Husten, Lachen, Niesen, Laufen oder anderer körperlicher Anstrengung zum unwillkürlichen Urinabgang. Bei dieser Form der Harninkontinenz wird die Beseitigung bzw. Besserung durch eine Operation erreicht. Dazu wird heute in einem kleinen Eingriff ein so genanntes Bändchen im Bereich der Harnröhre gelegt (TVT- bzw. TVT-O-Implantation). Dadurch erfahren ca. 80% aller Frauen eine Heilung oder zumindest deutliche Besserung.
Wir raten allen Frauen mit unwillkürlichen Urinabgang mit ihrem Frauenarzt über die weiterführende Diagnostik bzw. Behandlungsmöglichkeiten zu sprechen.
Die UFK Rostock ist Zentrum für die Abklärung und Behandlung aller Formen der Harninkontinenz (siehe Urodynamik-Sprechstunde).
6. Operationstechniken
Bedingt durch die Größe der Klinik und dem Versorgungsauftrag für die gesamte Hansestadt Rostock, einschließlich dem Landkreis Bad Doberan und als Zentrum der Hochleistungsmedizin für das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern halten wir alle modernen Diagnostik und Therapieverfahren vor.
7. Fertilitätserhalt (Erhaltung der Fortpflanzung) bei Chemo- / Strahlentherapien
Mit der Durchführung einer Chemo- oder / und Strahlentherapie kann die Funktion der Eierstöcke beeinträchtigt werden. Dies bedeutet zumeist dauerhafte Kinderlosigkeit. Neue medikamentöse Therapien und reproduktionsmedizinische Techniken ermöglichen es, die Schädigung der Keimdrüsen unter einer Chemotherapie zu reduzieren oder durch Gewinnung und Einfrieren von Keimzellen oder Keimdrüsengewebe den Kinderwunsch später doch noch zu realisieren. Vor einer Bestrahlung des Beckens sollten die Eierstöcke operativ so im Bauchraum verlagert werden, dass sie außerhalb des Bestrahlungsfeldes liegen.
Bei Männern mit Chemotherapie ist die langfristige Konservierung von Samenproben problemlos möglich.
In Zusammenarbeit mit dem in unserem Hause befindlichen Kinderwunschzentrum bieten wir zum Schutz der Keimdrüsen bzw. zur Erhaltung der Fortpflanzungsfähigkeit nachfolgende Verfahren an:
- medikamentöse Therapie zum Schutz der Eierstöcke,
- Gewinnung von Keimzellen und Einfrieren für die Realisierung eines späteren Kinderwunsches
- operative Gewinnung von Eierstocksgewebe und Einfrieren für die Realisierung eines späteren Kinderwunsches.
8. Psychosomatik
Die Patientinnen der Universitätsfrauenklinik am Klinikum Südstadt Rostock werden durch eine Psychosomatikerin betreut. Neben der Betreuung stationärer Patientinnen wurde von Gynäkologen und Psychosomatikerin auch eine gemeinsame Sprechstunde für ambulante Patientinnen mit „Chronischen Unterbauchbeschwerden“ bzw. mit „Psychosomatischen Störungen“ in der Poliklinik eingerichtet (siehe „Spezialsprechstunden“ – LINK!).
Frauen, die Fehlgeburten oder pathologische Geburtsverläufe „früher“ ohne weitere psychologische Betreuung verarbeiten mussten, zeigten häufig langfristig psychosomatische Beschwerden mit einer erheblichen Tendenz zur Chronifizierung. Auch im Bereich der Onkologie wird zunehmend Bedarf an fachgerechter Begleitung und psychologischer, psychotherapeutischer oder psychosomatischer Behandlung gewünscht und gefordert.
Grundsätzlich stellt die Psychosomatik einen Bereich der Medizin dar, der sein Hauptaugenmerk auf die gegenseitige Beeinflussung von Körper und Seele richtet. Dabei wird davon ausgegangen, dass sich einerseits langjährige - manchmal von Kindheit an - bestehende seelische Belastungen in körperlichen Symptomen oder Erkrankungen manifestieren können. Andererseits kann es auch infolge von schweren, auch chronischen, körperlichen Erkrankungen zu psychischen Beeinträchtigungen kommen, die langfristig Allgemeinbefinden, Lebensqualität und Leistungsvermögen erheblich einschränken.
Die Psychosomatik in der Gynäkologie befasst sich mit Erkrankungsbildern wie:
· chronischen Unterbauchbeschwerden
· Blasenfunktionsstörungen
· Kohabitationsbeschwerden (Beschwerden beim Geschlechtsverkehr)
· Menstruationsbeschwerden / PMS (schmerzhafte Monatsblutungen)
· perioperativer Psychohygiene und
· somatopsychischen Aspekten der Karzinomerkrankungen
In der Geburtshilfe betrifft es vor allem Störungen im Bereich von:
· unerfülltem Kinderwunsch und Sterilitätsbehandlung
· Risikoschwangerschaften
· Hyperemesis gravidarum (übermäßigem Erbrechen in der Schwangerschaft)
· schwangerschaftsinduzierter Hypertonie (Bluthochdruck)
· intrauteriner fetaler Retardierung (Wachstumsstörungen des Feten)
· kindlichen Fehlbildungen
· vorzeitiger Wehentätigkeit und drohender Frühgeburt
· Trauer und pathologischen Trauerreaktionen nach Fehl- oder Totgeburt
· psychosomatischen Aspekten der Geburt oder auch
psychischen Störungen
im Wochenbett oder
· bei Stillproblemen
9. Endokrinologische („Hormon-“) Sprechstunde
Die Hormonsprechstunde (siehe „Spezialsprechstunden“ -LINK) dient der ambulanten Beantwortung spezieller Fragestellungen bei Störungen im Hormonhaushalt der Frau. Diagnostik und Therapie (bzw. Therapieempfehlung) erfolgen nach Überweisung durch den ambulant betreuenden Gynäkologen bzw. Kinderarzt (bis 17. Lebensjahr).
Das Leistungsspektrum umfasst zahlreiche Fragestellungen:
- Zyklusstörungen (primäre / sekundäre Amenorrhoe – Ausbleiben der Regelblutung)
- Blutungsstörungen im Jugendalter
- kosmetische Störungen (Akne, Hirsutismus, Alopecie)
- Diagnostik bei habitueller Abortneigung (wiederholte Fehlgeburten)
- Krankheiten von Hypophysenvorderlappen (z.B. Prolaktinom), Nebennierenrinde (z.B. late onset-AGS), Schilddrüse (z. B. Hypothyreose), soweit sie das Fachgebiet betreffen
- Hormondiagnostik und -therapie bei genetischen Anlagestörungen (z.B. Turner-Syndrom 45,XO; Gonadendysgenesie u.a.)
- spezielle Fragen der Schwangerschaftsverhütung (z.B. bei erhöhtem thrombophilen Risiko)
- Mitbehandlung bei Transsexualismus
Die interdisziplinäre Kooperation mit anderen Kliniken und Instituten der Universität ist für spezielle Fragestellungen unverzichtbar (z.B. Endokrinologie, Medizinische Genetik, Psychiatrie u.a.)
Verantwortliche Ärzte:
Frau Dr. med. Sabine Körber
OA Dr. med. Michael Bolz
Nach Abschluss von Diagnostik und Therapie erhält der überweisende Arzt eine detaillierte Epikrise.
Terminvereinbarung über die Poliklinik der UFK (0381 / 4401 4880).
10. Geburtshilfe / Schwangerenbetreuung
Die Universitätsfrauenklinik und Poliklinik ist das Perinatalzentrum für den Großraum Rostock und darüber hinaus für den gesamten Norden. In der Schwangerenbetreuung bis hin zum Kreißsaal sind alle Diagnostik- und Therapiemöglichkeiten gegeben. Mit 2400 Entbindungen zählt die Rostocker Frauenklinik zu den leistungsfähigsten Frauenkliniken in Deutschland. Die Betreuung von Risikoschwangerschaften erfolgt gemeinsam mit der Abteilung für Neonatologie und neonatologische Intensivmedizin, die ebenfalls im Hause vorhanden ist.
10.1 Perinatologisches Zentrum (Erkrankungen in der Schwangerschaft)
Eine Schwangerschaft stellt immer eine besondere Situation dar, die letztlich zu einer nachhaltigen Veränderung der bisherigen Lebensbedingungen der werdenden Eltern führt. In der Regel verläuft eine Schwangerschaft ohne Komplikationen.
Entsprechend einem Drei-Stufen-Konzept wird die Schwangere gemäß der Mutterschaftsrichtlinien vom niedergelassenen Frauenarzt betreut. Die Aufgabe der Grundbetreuung Schwangerer besteht darin, Risiken für Mutter und /oder Kind rechtzeitig zu erkennen und einer adäquaten, spezialisierten Behandlung zuzuführen.
Es besteht die Möglichkeit, die Schwangere in der Intensivschwangerenbetreuung vorzustellen. Dort wird nach entsprechender, situationsbezogener Diagnostik die weitere Therapie festgelegt und entschieden, ob und welche anderen Fachdisziplinen an der Behandlung beteiligt werden müssen. In einigen Fällen wird auch ein stationärer Aufenthalt (präpartale Station) erforderlich.
10.1.1 Betreuung durch niedergelassenen Frauenarzt
Die „normale“ Schwangerschaftsbetreuung erfolgt beim niedergelassenen Gynäkologen. Spezielle Fragestellungen können jederzeit an die „Intensivschwangerenbetreuung“ (ISB) herangetragen werden.
10.1.2 Intensivschwangerenbetreuung (ISB)
Die Betreuung von Schwangeren mit Grunderkrankungen sowie schwangerschaftsbedingten Erkrankungen ist als geburtshilflicher Schwerpunkt der UFK Rostock anzusehen.
Eine Intensivschwangerenbetreuung sollte bei folgenden Risikokonstellationen veranlasst werden:
- mütterliche Erkrankung (z.B. Hypertonus, Diabetes mellitus, Gestationsdiabetes, Nierenerkrankungen einschließlich Z.n. Nierentransplantation, chronisch entzündliche Darmerkrankungen, Schilddrüsenerkrankungen, Lupus erythematodes, rheumatische Erkrankungen, multiple Sklerose, Epilepsie, psychiatrische Erkrankungen)
- mehrere Fehlgeburten in der Anamnese
- hämatologische Erkrankungen einschließlich Gerinnungsstörungen
- Infektionskrankheiten (HIV, Hepatitis B+C, Ringelröteln, Toxoplasmose, Cytomegalie, Syphilis u.a.)
- Präeklampsie, Eklampsie, HELLP-Syndrom
- Mehrlingsschwangerschaften
- totes / geschädigtes Kind in der Anamnese
- Verdacht auf Wachstumsverzögerung des Kindes in der aktuellen Schwangerschaft
- kindliche Makrosomie
- kindliche Fehlbildungen
- Einnahme von Medikamenten, Kontakt zu schädigenden Substanzen (Röntgenbelastung)
- Lageanomalien, vorausgegangener Kaiserschnitt bzw. anderen Uterusoperationen
In speziellen Fragestellungen wird eng mit entsprechenden Institutionen der Medizinischen Fakultät Rostock und des Klinikums Südstadt Rostock zusammengearbeitet..
- Innere Medizin (Infektionsmedizin, Endokrinologie, Hämatologie, Nephrologie)
- Medizinische Genetik
- Kinderheilkunde, Kinderchirurgie, Herzchirurgie
- Dermatologie
- Augenheilkunde
- Neurologie
- Urologie
- Orthopädie
Entsprechend der individuellen Fragestellung kann es sich um eine einmalige Konsultation oder Beratung handeln oder eine regelmäßige Mitbetreuung erforderlich sein. Die Vorstellung bei Problemen in der Schwangerschaft ist jederzeit, auch kurzfristig, möglich.
Terminvereinbarung über die Poliklinik der UFK (0381 / 4401 4880) oder in Notfällen Vorstellung direkt auf dem Kreißsaal (0381 / 4401 4546)
10.1.3 Präpartale Station
Auf der präpartalen Station werden insbesondere Frauen mit einer Risikoschwangerschaft betreut, wobei die interdisziplinäre Behandlung im stationären Bereich unmittelbar gewährleistet ist.
Schwerpunktgebiete im Vordergrund:
- Behandlung der drohenden Frühgeburt
- Herzkreislauferkrankungen (Hypertonus)
- Therapie von Stoffwechselerkrankungen in der Schwangerschaft
z.B. Diabetes mellitus, Schilddrüsenerkrankungen
- Therapie bei Gerinnungsstörungen
- Verdacht auf Wachstumsverzögerungen beim Kind
- Infektionskrankheiten
- Mehrlingsschwangerschaft
Erkrankungen in der Schwangerschaft, insbesondere die drohende Frühgeburt sind häufig multifaktoriell bedingt und erfordern oft einen längeren stationären Aufenthalt.
Deshalb werden im stationären Bereich medizinische Abteilungen des Hauses und der Universität in die Behandlung einbezogen.
Dazu gehören unter anderem:
- Psychosomatische Betreuung (Frau Sommer 0381 / 4401-4887)
- Ernährungsberatung und spezielle Schulungen bei Diabetes mellitus (4401-8537)
- Sonographie in der Schwangerschaft (Dopplersonographie in der „ISB“)
- Spezielle Gerinnungsdiagnostik (Prof. Dr. Anders 0381 / 4401-6512)
- physiotherapeutische Betreuung (Frau Dr. Maibaum 0381 / 4401-6601)
- Nephrologie, Neurologie, Augenheilkunde u.a.
Wöchentlich finden gemeinsame Visiten mit den Kinderärzten statt, so dass sich schwangere Frauen bereits vor der Geburt über eine mögliche bzw. notwendige kinderärztliche Behandlung des Neugeborenen nach der Geburt informieren können.
Bei präpartal nachgewiesenen kindlichen Erkrankungen wird der optimale Entbindungszeitpunkt gemeinsam vom Geburtshelfer und Kinderarzt festgelegt.
10.2 Kreißsaal
10.3 Entbindungsstationen
11. aktuelle Studienangebote





